Wissenschaft, die nicht Wissenschaft genannt werden sollte!

Äpfel und Birnen

 

 

 

 

 

 

Soeben erschien eine Studie, die angeblich nachweist, dass Krebspatienten, welche Alternativmedizin in Anspruch nehmen, eine 2,5-fach erhöhte Sterblichkeit aufweisen – im Vergleich zu Krebspatienten, die nach den Regeln der Schulmedizin behandelt werden. Publiziert wurde die Studie im renommierten Journal of the National Cancer Institute in Oxford.

Natürlich wurde dieser Bericht bereits vielfach in den Medien aufgegriffen und verlinkt. Und natürlich weiß ich, was da alles unter „Alternativmedizin“ fällt. Milde ausgedrückt, würde ich es so formulieren: Die Klasse derjenigen, welche „Alternativmedizin“ anbieten, ist ein Haufen bunter, nämlich weißer, schwarzer und auch brauner Schafe. Ich weiß aber auch, dass Alternativmedizin, im besten Sinn des Wortes, Dinge schafft, die der Schulmedizin verwehrt bleiben.  Wenn ich nun solche Schlagzeilen lesen, sehe ich mich natürlich genötigt, die Studie ansehen und herauszufinden, wie es zu einem solchen Ergebnis kommt.

Und da komme ich irgendwie aus dem Staunen nicht heraus. Was wurde verglichen? Zunächst einmal wurde in der „alternativmedizinischen“ Gruppe ärztliche Behandlung ausgeschlossen. Es handelte sich hierbei nur um Krebspatienten, welche von Nicht-Medizinern behandelt wurden. Das ist in etwa so, als würde ich die Tätigkeit eines Notfallarztes mit der eines Sanitäters oder Rettungsfahrers vergleichen. Es sind schlichtweg nicht vergleichbare „Behandlungen“.

Weiters wurden Patienten mit Tumorstadium IV, das sind jene Patienten, welche bereits Fernmetastasen – etwa in der Lunge, Gehirn, Leber oder Knochen – haben, von der Studie ausgeschlossen. Klar, damit vermeidet man jene Patienten, bei denen die Schulmedizin kaum mehr Erfolge nachzuweisen hat und damit verschafft man der onkologisch behandelten Gruppe einen künstlichen, aber sehr großen Vorteil.

Schließlich konnten die Autoren nicht angeben, welche „alternativmedizinischen“ Behandlungen angewandt wurden. Und ja, wer hätte das gedacht? Die Autoren erhalten Fördergelder von Radioonkologen und Firmen wie Pfizer, Johnson and Johnson und Medtronic. Das muss noch nicht per se zu verzerrten Studien führen. Wenn aber mal eine so verzerrte Studie vorliegt, wie in diesem Fall, dann sucht man eben Gründe. Das müssen sich dann die Autoren auch gefallen lassen.

Ich frage mich, wie das zunächst einem in einem Peer-Review-Prozess überhaupt durchgehen kann (das ist jener Prozess, in dem eine eingereichte Publikation von zumindest zwei Experten begutachtet wird und schließlich zur Empfehlung der Annahme oder Ablehnung der Publikation führen) und schließlich in einem renommierten wissenschaftlichen Journals auch veröffentlicht werden kann. Die Arbeit ist unterhalb jeden Standards wissenschaftlicher Arbeit.

Quellen: Foto: R. Aspalter

zum Originalartikel (Vollversion leider zahlungspflichtig)
beispielhafter Medienartikel

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5 Kommentare auf “Wissenschaft, die nicht Wissenschaft genannt werden sollte!

  • 19. September 2017 at 07:28
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    Ein sehr informativer und aktueller Beitrag! Heutzutage muss man echt aufpassen. Nur weiter so!

    Viele Grüße
    Michael

    antworten
  • 13. Oktober 2017 at 22:07
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    Ist im Prinzip wie Werbung schalten… mal hier und da eine passende Studie fördern/finanzieren und schon läuft der Rubel wieder.

    antworten
  • 15. Dezember 2017 at 10:46
    Permalink

    Liebe Frau Dr. Aspalter,
    vielen Dank für Ihre wertvolle Arbeit. Unsereins als Laie hat keine Möglichkeit, eine solche Studie / Behauptung derart wissenschaftlich zu entkräften.

    Ein Beispiel, dass man aus jeder Studie das gewünschte Resümee erzielen kann.

    Beim Myelom zB ist in Ö der neueste Stand – anhand von wissenschaftlichen Studien – eine Erhaltungstherapie nach Stammzellentransplantation „bis zum Fortschreiten der Krankheit“ – was im besten Falle jahrelang dauern kann. Im besten Fall auch für die Herstellerfirma, denn das Mediament kostet monatlich an die € 6.000 !!
    Das Immunsystem bedankt sich. Zahlreiche Beispiele u.a. aus früheren Zeiten oder von in Deutschland behandelten Patienten (dort ist dies großteils noch nicht DER Standard) zeigen, dass auch ohne Erhaltungstherapie bei vielen jahrelang keine Progression erfolgt.

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