Methadon in der Krebstherapie

 

 

 

 

 

 

Da das Thema grade so stark unter Krebspatienten zirkuliert – hier einige wichtige Informationen zu Methadon!

Von vielen Krebspatienten bekomme ich Infos und Bitten, Methadon zu verschreiben. Und es gibt auch gerade, zumindest im deutschsprachigen Raum, ein großes mediales Interesse an dem Thema. Hier ein Report, der Methadon als sehr hoffnungsvolles Mittel gegen Krebs darstellt.

Alles, was die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Krebspatienten deutlich verbessert, ist zu begrüßen. Ich möchte aber die Hoffnungen, die solche Berichte wecken, in einem realistischeren Zusammenhang sehen.

Zunächst ist bei der Einnahme doch einiges zu beachten. Das Medikament kann Übelkeit verursachen und sollte deshalb langsam aufdosiert und mit Medikamenten gegen Übelkeit eingenommen werden. Die wichtigste Information, welche leider oft nicht deutlich genug heraus gestellt wird, scheint mir aber folgende zu sein: Methadon wirkt in der Petrischale, indem es die Wirksamkeit von Chemotherapeutika verstärkt oder vervollständigt (1)! Das bedeutet: Methadon zeigt Wirksamkeit IN KOMBINATION mit Chemotherapie! Methadon alleine ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit zu wenig. In den Versuchen Dr. Friesens, Universitätsklinik Ulm, welche den zusätzlichen Nutzen durch Methadon als erste in Laborexperimenten zeigte, war Methadon jedenfalls völlig unwirksam (1).

Das sollte zuallererst berücksichtigt werden und lässt zu einer vorsichtigeren Einschätzung wechseln. In meiner Praxis habe ich auch Patienten beobachten müssen, welche mit einem ähnlichen Wirkprinzip behandelt wurden, aber NULL darauf ansprachen! Eine Euphorie ist also mit Sicherheit nicht angebracht.

In diesem Interview beantwortet Fr. Dr. Claudia Friesen sehr klar, wie und bei welcher Patientengruppe Methadon am vorteilhaftesten eingesetzt wird.

Der Hype um Methadon erinnert mich etwas an Krebspatienten in den Vereinigten Staaten in den 70er und 80er Jahren, welche mit unglaublichem Druck Zugang zu Therapien forderten (etwa Knochenmarkstransplantation), obwohl diese noch nicht wirklich in ihrer Wirksamkeit erwiesen waren. Letzten Endes stellte sich heraus, dass die Therapie nur die Lebensqualität verschlechterte, aber keine verbesserten Überlebenschancen mit sich brachte. Auch wenn für Krebspatienten Zeit ein wirklich ernsthafter Faktor ist, Medikamente verfrüht einzusetzen, das sollte man sich dreimal überlegen.

Andererseits: Die Dosen, in denen Methadon hier eingesetzt wird, sind sehr moderat und die Auswirkungen der Therapie sind nun doch nicht mit einer Knochenmarkstransplantation vergleichbar. Im Vergleich zur Hochdosischemo mit Knochenmarkstransplantation ist ja Methadon Apfelsaft, sodass hier ein „versuchsweiser“ Einsatz wesentlich leichter zu rechtfertigen ist.

Wie kommen wir aber aus dieser unsicheren Situation heraus? Was benötigen wir? Verlässliche Daten! Hier scheint der öffentliche Druck, der mittlerweile von Patienten und Medien auf die Onkologen ausgeübt wird, doch so gewachsen zu sein, dass nun erste klinische Studien beantragt wurden. Beantragt, ja! Von einer Durchführung kann also noch keine Rede sein. In diesem Talk wird pointiert die aktuelle Situation heraus gestellt.

Nur Mut, liebe Patienten! Wenn sich die Onkologie „sündteure“ genetische und molekularbiologische Forschung leisten kann, welche dann nur einer kleinen, gerade genetisch passenden Patientengruppe zu Gute kommt, ist die Forderung nach einer soliden Erforschung weit einsetzbarer und günstiger Mittel nicht unverschämt! Nur Mut, liebe Onkologen! Ihr seid in allererster Linie dem Patienten verpflichtet. Und, last but not least: Bei der steigenden Häufigkeit an Krebs könnte eine einfache, nebenwirkungsarme aber effektive Therapie jedem sehr persönlich und ganz plötzlich von Nutzen sein!

Quellennachweis:

Photo: Bildausschnitt aus dem ARD Video plusminus1

(1) Zur Originalarbeit von Dr. Friesen, 2014 CellCycle

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10 Kommentare auf “Methadon in der Krebstherapie

  • 13. Januar 2018 at 15:40
    Permalink

    Methadon in Zusammenhang mit X-Geva und Herzeptin sinnvoll.
    Her2 Grundtumor 2009 und Knochenmetastasen ab 2015.
    Bitte um Ihre Antwort
    Soll ich Methadon nehmen?
    Lg Silvia Schranz

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    • 17. Januar 2018 at 19:28
      Permalink

      Liebe Frau Schranz,

      bez. diverser Antikörper und deren Zusammenspiel mit Methadon kann leieder aus der vorliegenden Studie nichts gesagt werden. Ich habe mich jedoch mit F. Dr. Friesen in Verbindung gesetzt und werde berichten, sobald ich Infomation habe.
      Wenn Sie allerings bereits ein Opiat zur Schmerztherapie verwenden, dann würde ich dieses gegen Methadon austauschen. Da haben Sie ebenfalls die Anti-Schmerz-Wirkung und – möglicherweise – eine anti-Krebswirkung dazu!

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
  • 20. Januar 2018 at 18:22
    Permalink

    Wüsste gerne ob sie methadon bei Lungen krens mit Metastasen verschreiben?

    antworten
    • 22. Januar 2018 at 12:55
      Permalink

      Ja, allerdings müssen bestimmte Vorrausetzungen gegeben sein.
      Dies wäre einem persönlichen Gespräch zu klären.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
  • 31. Januar 2018 at 07:54
    Permalink

    Meine schwester liegt im bett kann sich kaum mehr bewegen (brustkrebs) hatte o.p cemo strahlenterapie hinter sich… und jetzt hat sie die letzten tagen laut ärzte… modülle überall… knochen metestasen auf der lunge auch… wäre diese mittel auch für sie was ??? Brauche hilfe bitte….

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    • 1. Februar 2018 at 12:56
      Permalink

      Lieber Herrr Altunkaynak,

      wenn Ihre Schwester keine Chemotherapie mehr bekommt, wird Methadon nicht mehr gegen die Krebszellen helfen. Es könnte aber als Schmerzmittel eingesetzt werden. Ich nehme allerdings an, dass sie bezüglich gut behandelt ist.

      Mit freundichen Grüßen
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
  • 17. Februar 2018 at 09:55
    Permalink

    Bei meiner Schwester wurden im August 2016, Glioblastome ( 3 Tumore) diagnostiziert. Bei einer Boipsie konnte ein Tumor entfernt werden, zwei weitere sind irroperabel. Es folgte Strahlentherapie in Combination mit oraler Chemo (Temodal). Halbjährige PET- Untersuchungen und MRTs gemacht. Palliativ entschloss man sich für Immuntherapie mit Avastin, alle 3 Wochen. Im Jänner 2018 wird eine leichte Rückbildung von einem der verbliebenen Tumor beschrieben, allerdings an der operierten Stelle ein umso größeres Rezediv festgestellt. Nun hatte meine Schwester vor 10 Tagen eine Arztbesprechung im Klinkum, wo man ihr eine neue Therpie i.v. mit Depatux vorschlug (in einer Studie). Meine dringende Frage: Wäre es sinnvoll mit Metathon diese Behandlung zu unterstützen? Wenn ja, welche Dosis wäre zu empfehlen und an welchen Arzt könnten wir uns wenden? Meine Schwester ist 1966 geboren, hatte zwei Söhne (der ältere Sohn verstarb 2009 innerhalb von 36 Stunde, ab Diagnose „plötzlichst“ an einen Glioblastom). Man kann sich nur allzugut vorstellen in welcher Ausnahmesituation die ganze Familie ist und sich an jede Hoffnung festhält. Meine Schwester ist dzt. noch mobil, weist allerdings zunehmende linksseitige Symtomatik auf. Schmerzen und Übelkeit dzt. kein Thema. Gewichtsverlust schleichend. Danke! Josef

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    • 17. Februar 2018 at 13:38
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      Lieber Herr Josef, Depatux ist ebenfalls ein Antikörper (gegen Tumorgefäßneubildung) und aus der Studie von Dr. Friesen geht nicht hervor, ob Methadon auch in Zusammenhang mit diesen Antikörpern wirksam ist. Leider habe ich bisher auch keine Antwort auf meine Anfrage bei Dr. Friesen erhalten. So kann ich Ihnen Ihre Frage nicht wirklich beantworten. Es tut mir sehr leid.
      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Rosa Aspalter

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      • 19. Februar 2018 at 14:55
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        Dankeschön, in jedem Fall, für ihre Bemühungen. Habe soeben Nachricht erhalten, dass meine Schwester heute nacht stürzte und dzt. im KH aufgenommen wurde. Lg. Josef
        Falls sie doch noch Infos erhalten, wäre ich sehr dankbar, sie mich wissen zu lassen. Danke

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        • 21. Februar 2018 at 16:23
          Permalink

          Hallo alle,
          habe nun Antwort von Fr. Dr. Friesen.
          Zu der Kombination von Methadon und diversen Antikörpern gibt es noch keine Daten.
          Mit freundlichen Grüßen
          Dr. Rosa Aspalter

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