Trans-Fettsäuren in Milch und Milchprodukten

 

 

 

 

 


„Im Milchfett sind etwa 2-4% Trans-Fettsäuren enthalten.“ Dieser nüchterne Satz steht in einem ganz konventionellen Lebensmittelchemie-Lehrbuch. Transfette? Ja genau! Transfette! Jene Fette, für die auf Grund ihrer Schädlichkeit in manchen Ländern eine
gesetzliche Obergrenze festgelegt wurde.  

Dass tierische Lebensmittel einiges an gesättigten – also nicht gerade gesundheitsförderlichen – Fettsäuren beinhalten, dürfte allgemein bekannt sein. Bei der Milch sind gut 2/3 der Fette gesättigte Fettsäuren. Aber damit nicht genug! Sie beinhalten zusätzlich noch Trans-Fettsäuren. Laut dem oben zitierten Lehrbuch sind es 2-4% der Milchfette (1). Und es kommt noch besser: „Milchprodukte enthalten 3-6% Trans-Fettsäuren“. So steht es in einer Präsentation des Lebensministeriums (2). Diese Transfette entstehen im Magen von Wiederkäuern (Pansen) und gelangen dann offenbar mit anderen Fetten zusammen in die Milch. Und in dieser Publikation findet man auch noch den dezenten Hinweis darauf, dass diese Prozentangaben gar nicht die Gesamtmenge beziffern, sondern nur ein Vertreter der Trans-Fettsäuren gemessen wurde (die Elaidinsäure).

Die Wirkungen von Trans-Fettsäuren im menschlichen Körper

Warum sind Trans-Fettsäuren so bedenklich? Bekannt ist, dass diese das Cholesterin – und hier vor allem das „schlechte“ – erhöhen und damit zu einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko führen (3). Auch das Krebsrisiko dürfte damit gesteigert werden (4). Während die EU keine Regelung zur Begrenzung der Trans-Fettsäuren geschafft hat, haben einzelne Länder, allen voran Dänemark und Österreich, Regelungen zum Schutz vor den Auswirkungen von Trans-Fettsäuren geschaffen. In Österreich ist dies die sogenannte Trans-Fettsäuren-Verordnung (5), welche mit Oktober 2009 in Kraft trat. Laut dieser Verordnung dürfen Produkte, welche mehr als 20% Fettgehalt aufweisen, nicht mehr als 2% von den Gesamtfetten Trans-Fettsäuren sein. Bei Produkten unter 20% Fettgehalt darf der Transfettanteil nicht mehr als 4% betragen. Dazu ist anzumerken, dass Sahne und Käse weit über 20% Fett beinhalten und damit jedenfalls diese Grenzwerte überschreiten. Aber in der Trans-Fettsäuren-Verordnung sind Lebensmittel aus tierischer Herkunft ausdrücklich ausgenommen. Im Klartext heißt es: „§1 (3) Diese Verordnung gilt nicht für Trans-Fettsäuren, die aus Fetten tierischen Ursprungs stammen …“ (5).

Wie ist es zu verstehen, dass darüber so wenig Aufhebens gemacht wird? Sind diese Trans-Fette weniger schädlich? Viele Autoren scheinen das glaubhaft machen zu wollen. Dabei werden zwei Argumente ins Spiel gebracht: Das erstere führt an, dass Milch auch konjugierte Linolensäure (CLA) beinhalte, eine Fettsäure, welche gesundheitsfördernde Effekte haben soll (1). Doch dazu später. Das zweite Argument meint, dass diese „ruminanten“ (in Wiederkäuern entstandene) Trans-Fette harmlos seien, da diese im menschlichen Körper in die „gute“ CLA umgewandelt werden könne (6). Dazu ist zu sagen, dass diese Umwandlung hypothetisch ist und keinesfalls klar ist, wann diese passiert, und in welchem Ausmaß. Wir wissen nur, dass diese Umwandlung theoretisch möglich ist.

CLA – auch eine Trans-Fettsäure – aber gesund?

Und nun zu den behaupteten positiven, gesundheitsfördernden Wirkungen der CLA. Bisher haben viele Produzenten versucht, CLA-Präparate unter Gesundheitsaspekten zu verkaufen, wie etwa: Förderung der Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen, Aufbau von Muskelmasse, Schutz der DNA vor Schäden und Verbesserung des Immunsystems. Besonders als Abnehmpräparat wurde versucht, die Substanz zu vermarkten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat in ihrer Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 (Health Claims) (7) alle Anträge, das Präparat mittels Behauptungen eines gesundheitlichen Nutzens, auf Grund nicht ausreichender Belege abgewiesen. So ist also nicht nur unklar, wie weit die Trans-Fettsäuren in Milch und Milchprodukten tatsächlich „neutralisiert“ werden. Wenn dies tatsächlich durch CLA passieren sollte, steht auch der Nutzen daraus nicht gerade auf gesicherten Beinen.

CLA und Krebs?

Wie steht es aber mit der Behauptung, CLA schütze vor Krebs? Ist wenigstens daran etwas Wahres? Eine groß angelegte Metaanalyse fand jedenfalls keinen Zusammenhang, weder mit verabreichten CLA-Dosen, noch mit Serumwerten von CLA (8). Und ganz im Gegenteil: In einer weiteren Studie zeigte sich sogar ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs (9).

Nicht zuletzt sei erwähnt, dass in pflanzlichen, unverarbeiteten Fetten keine Trans-Fette und auch keine CLA vorkommen (10). Der ganze Schwenk von den Trans-Fettsäuren hin zur CLA wirkt also bei diesen dünnen Argumenten sehr an den Haaren herbei gezogen und mutet viel eher wie ein Ablenkungsmanöver an.

Hier nun meine Fragen an verschiedene Einrichtungen und Institutionen mit dem höflichen Ersuchen um Stellungnahme:

Fragen an das Bundesministerium für Frauen und Gesundheit (BMFG):

  1. Sie schreiben auf Ihrer Webseite über die Problematik der Trans-Fettsäuren (11). Darin beziehen Sie sich ausdrücklich und ausschließlich auf „künstliche“, also industriell erzeugte Trans-Fette. Gibt es einen erwiesenen Unterschied zwischen den industriellen und den „ruminanten“ bzw. „natürlichen“ Trans-Fetten? Und wenn nein, warum schließen Sie die letzteren aus?
  2. Warum stellen Sie auf eben derselben Webseite die Fassung der Verordnung vom August 2009 als Download zur Verfügung (12), nicht aber die aktuelle Fassung der Verordnung?
  3. Mit der derzeitig gültigen Verordnung sind vermutlich die Produkte mit den absoluten Spitzenwerten an Trans-Fetten aus unserer Nahrungskette eliminiert worden und damit ein ganz wesentlicher Schritt zum Schutz des Konsumenten gesetzt worden. Doch die Mengen an Trans-Fettsäuren in Milch und Milchprodukten sind nicht unerheblich. Was ist geplant, um ÖsterreicherInnen auch vor den Trans-Fettsäuren in Milch und Milchprodukten zu schützen? Wie sieht es ganz konkret mit Maßnahmen wie Streichung der Ausnahmeregel für Trans-Fette tierischen Ursprungs aus oder mit einer Kennzeichnungspflicht auch für Trans-Fettsäuren?

Fragen an die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES)

  1. Auch auf Ihrer Webseite (13) findet sich der Hinweis auf die „natürlichen“ Trans-Fette, jedoch fehlt hier eine Begründung, warum diese in der Verordnung ausgenommen sein sollten.
  2. Sie weisen auch auf die bestehenden europäischen Regelungen, welche Säuglingsnahrung und Olivenöl betrifft. Wenn Trans-Fettsäuren auch in Olivenöl vorkommen können und diese sogar nach der weit weniger einschränkenden europäischen Regelung begrenzt werden, darf dies wohl als weiterer Hinweis darauf gewertet werden, dass „natürliche“ Trans-Fette keineswegs weniger schädlich sind als industriell erzeugte?
  3. Warum wird bei der Bestimmung der Menge der Trans-Fettsäuren nur Elaidinsäure gemessen, wo doch gerade der Anteil der Vaccensäure nicht unerheblich ist.

Fragen an die Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (AMA)

  1. Sie listen auf Ihrer Webseite die diversen Bestandteile von Milch auf (14). Warum werden hier nur die kurzkettigen Fettsäuren, nicht aber der Anteil der ungesättigten Fettsäuren und nicht die Trans-Fettsäuren genannt?
  2. In Ihrer Richtlinie zum AMA-Gütesiegel gibt es eine ganz lange Liste an Qualitätskriterien (15). Von der Warenübernahme, den genauen Regelungen hinsichtlich der Verpackung bis hin zur Kontrolle der Kontrolle. Warum findet sich der Trans-Fettsäureanteil nicht unter den Kontrollkriterien bei der Qualitätskontrolle?
  3. Sie bewerben in Ihren Kampagnen immer wieder Milch, Käse, Eier und Fleisch. Warum informieren Sie nicht auch über pflanzliche Produkte? Über heimische Gemüse- und Bohnensorten, über heimische Getreide und Obstsorten etc.?
  4. Warum sieht Ihre Webseite wie ein Fleischerladen aus? Unter der Rubrik „Rezepte“ findet sich kein einziges rein veganes Rezept. Nicht einmal einen einzigen Salat ohne Käse oder Speck gibt es da! Und was da unter „Produktvielfalt“ zu finden ist, ist offenbar eine gelungene Karikatur! Am besten zeige ich das einfach mit einem Screenshot! Ich dachte, es gäbe in Österreich einige Gemüsebauern, Getreidebauern und vielleicht ein paar unterschiedliche Gemüsesorten?

AMA

Für informative Antworten und auch konstruktive Kritik an den bisherigen Recherchen werde ich mich, sowie die Leser meiner Webseite allesamt freuen!

Nachtrag vom 19.3.2019:

Die AMA hat reagiert (siehe Kommentar unten).

Aber auch in den USA ist das offenbar gerade ein Thema. Wie Dr. Greger in seinem Nutrition-Blog (16)  berichtet, stellen nund nach der Einschränkung von Transfetten in indurstriell hergestellten Fetten die Hauptquelle für Transfette Milch, Milchprodukte und Fleisch dar. Es gibt es einen Report, der empfiehlt, möglichst 0 Transfette zu sich nehmen. Trotzdem kann sich der Chef des Cardiovaskulären Epidemiologie-Programms in Harvard, Dr. Eric Rimm (17), nicht dazu durchringen, eine vegane Ernährung zu empfehlen. Er meint: „Man könnte eventuell eine vegetarische Ernährung empfehlen (was für eine Logik! Anm. EUK), aber das wäre ein wenig extrem!“

Quellen:

Photo: various types of cheese, www.istockphoto.com

(1) Robert Ebermann, Ibrahim Elmadfa: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. Zweite, korrigierte und erweiterte Auflage, 2011, SpringerWienNewYork. Seite 321
(2) zur Publikation des Lebensministeriums
(3) Brouwer IA, Wanders AJ, Katan MB. Effect of animal and industrial trans fatty acids on HDL and LDL cholesterol levels in humans–a quantitative review. PLoS One. 2010 Mar 2;5(3):e9434.
(4) Laake I, Carlsen MH, Pedersen JI, Weiderpass E, Selmer R, Kirkhus B, Thune I, Veierød MB. Intake of trans fatty acids from partially hydrogenated vegetable and fish oils and ruminant fat in relation to cancer risk. Int J Cancer. 2013 Mar 15;132(6):1389-403.
(5) zur österreichischen Trans-Fettsäure-Verordnung
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Konjugierte_Linols%C3%A4uren
(7) EFSA Stellungnahme zu den „Health Claims“ betreffend CLA
(8) Arab A, Akbarian SA, Ghiyasvand R, Miraghajani M. The effects of conjugated linoleic acids on breast cancer: A systematic review. Adv Biomed Res. 2016 Jul 6;5:115. doi: 10.4103/2277-9175.185573.
(9) Voorrips LE, Brants HA, Kardinaal AF, Hiddink GJ, van den Brandt PA, Goldbohm RA. Intake of conjugated linoleic acid, fat, and other fatty acids in relation to postmenopausal breast cancer: the Netherlands Cohort Study on Diet and Cancer. Am J Clin Nutr. 2002 Oct;76(4):873-82.
(10) Kuhnt K, Baehr M, Rohrer C, Jahreis G. Trans fatty acid isomers and the trans-9/trans-11 index in fat containing foods. Eur J Lipid Sci Technol. 2011 Oct;113(10):1281-1292.
(11) zur Webseite des BMFG
(12) alte Fassung der Trans-Fettsäuren-Verordnung
(13) zur Webseite der AGES GmbH
(14) zur AMA-Seite über Milch
(15) zur AMA Gütesiegel-Richtilinie für Milch- und Milchprodukte
(16) Dr. Gregers Beitrag

(17) Direktor Cardiovascular Epidemiologic Program

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4 Kommentare auf “Trans-Fettsäuren in Milch und Milchprodukten

  • 19. März 2017 at 12:21
    Permalink

    Hier ist die Antwort der AMA:

    Sehr geehrte Frau Dr. Aspalter,
    gerne sende ich Ihnen anbei Info zu Ihren Fragen.

    In Österreich liegen derzeit keine aktuellen Daten zur Aufnahme von trans-Fettsäuren vor. Laut einer Stellungnahme des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom Juni 2013 beschränkt sich die mittlere Aufnahme von trans-Fettsäuren in Deutschland auf 0,66 % der Nahrungsenergie und ist demnach als sehr gering einzustufen. Dieser Wert lässt sich sicher auf Österreich übertragen. Den DACH-Referenzwerten zufolge soll die Zufuhr weniger als 1 % der täglichen Energieaufnahme ausmachen. Bei einem Energierichtwert von 2000 kcal pro Tag entspricht dies einer Zufuhr von 2,1 g trans-Fettsäuren oder circa 20 kcal. Ich beziehe mich dabei auf einen Artikel vom Forum Ernährung heute: http://www.forum-ernaehrung.at/artikel/detail/news/detail/News/trans-fettsaeuren-unter-beschuss/

    Milch und Milchprodukte tragen – in geringer Menge – zur Aufnahme von Trans-Fettsäuren bei, weil trans-Fettsäuren im Pansen von Wiederkäuern vorkommen. Dort sorgen Mikroorganismen für die Umwandlung der aufgenommenen Fettsäuren. Deshalb enthalten Milch und Milchprodukte natürlicherweise trans-Fettsäuren, die im Durchschnitt etwa drei bis fünf Prozent des Gesamtfettgehalts ausmachen. Als Kontrollkriterium würde der Gehalt wohl wenig Sinn machen, weil man diesen natürlichen Vorgang nicht ändern kann.

    Die AMA-Marketing hat einen gesetzlichen Auftrag zur Förderung der Lebensmittelqualität und Information von verbraucherrelevanten Informationen. Wir finanzieren uns – wie im Gesetz definiert – aufgrund der Agrarmarketingbeiträge der Landwirte. Eine Beitragspflicht besteht derzeit für folgende Sektoren: Fleisch, Milch, Ei, Obst und Gemüse. Für diese Produktgruppen gibt es laufende Kampagnen, da dafür Marketingmittel zur Verfügung stehen. Die Kommunikationsschwerpunkte liegen auf der Information, was hinter dem AMA-Gütesiegelprogramm steckt. Lebensmittelqualität beginnt beim Saatgut, der Fütterung, Bodenbeschaffenheit bzw. Stallklima, erstreckt sich um die Entwicklungsprozesse bis hin zum Rohstoff bzw. dem fertig verarbeiteten Produkt. Für den wichtigen Schritt Konsumentennutzen und Produkthandhabung geben wir spezielle Hinweise über Warenkunde, Zubereitung, Lagerung, u.v.m. um die im Vorfeld forcierte Qualität bis zum Genussmoment sicher zu stellen. Entsprechend der uns zur Verfügung gestellten Mittel kommunizieren wir in unterschiedlicher Intensität an Inhalten und Dauer.

    Sie kennen unsere Website ja bereits. Werfen Sie doch bitte einen Blick auf unsere vielen Gemüseseiten ( http://www.amainfo.at/ama-themen/produktvielfalt/gemuese/ ), Obstseiten ( http://www.amainfo.at/ama-themen/produktvielfalt/obst/ ) und Seiten über Erdäpfel (http://www.amainfo.at/ama-themen/produktvielfalt/speiseerdaepfel/ ). Dort finden Sie auch zahlreiche Rezeptideen mit Obst und Gemüse.

    Ich hoffe, meine Zeilen konnten Ihre Fragen beantworten. Wenn Sie noch mehr Informationen möchten, bitte jederzeit melden.
    Mit besten Grüßen

    Manuela Schürr
    Unternehmenskommunikation
    Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH

    antworten
  • 19. März 2017 at 12:37
    Permalink

    Sehr geehrte Frau Schürr,

    besten Dank für die ausführliche Antwort.

    Ich bin doch der Meinung, dass der Transfettgehalt überprüft und in die Qualitätskriterien aufgenommen werden sollte. Wie Sie richtig feststellen, werden diese durch Bakterien erzeugt. Aber dies schließt eine Kontrolle nicht aus, da der Gehalt ja natürlichen Schwankungen unterworfen sein kann und die Werte bereits oberhalb der erlaubten Grenzen von 2 % für Produkte mit über 20 % Fettgehalt liegen!

    Schließlich wird auch der Gesamtfettgehalt in der Milch bei den Qualitätskontrollen erfasst, obwohl auch darauf nur indirekt (Fütterung) Einfluss genommen werden kann. Wenn man Ihrer Argumentation folgt, wäre auch diese Kontrolle hinfällig!

    Des weiteren darf ich anmerken, dass mir keine Fernsehkampagne zu Gemüse, Obst oder Getreide der AMA gekannt ist, sehr wohl aber zu Fleisch und Milch. Diese einseitige Bewerbung bzw. Förderung bestimmter Produkte drückt sich auch sehr gut in dem obigen Screenshot Ihrer Webseite aus und wird weiter verstärkt durch die Art und Weise, wie Gemüsesorten auf Ihrer Webseite vorgestellt werden. Was für ein Gegensatz zu den Fleisch- und Milchprodukten!

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Rosa Aspalter

    antworten
    • 24. März 2017 at 00:16
      Permalink

      Eine kurze Anmerkung zum Fettgehalt der Milch:
      Der natürliche Fettgehalt der Milch hängt u.A. von Faktoren wie Rasse, Fütterung, Lakationsphase usw ab.
      Dessen ungeachtet hat Milch gemäß Codexkap. B32 „Milch und Milchprodukte“ in Abhängigkeit von der Art der Milch (Vollmilch Extra, Vollmilch, Magermilch usw) einen definierten Fettgehalt aufzuweisen:

      https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/buch/codex/B_32_Milch_und_Milchprodukte.pdf?5jp067

      Da die „Produktion“ (mir widerstrebt der Begriff im Zusammenhang mit Lebewesen, aber er lässt sich kaum umgehen) den o.g. Schwankungen unterworfen ist, wird der gewünschte Fettgehalt in der Molkerei eingestellt: Dazu wird die Milch im Separator (= eine spezielle Zentrifuge) in Rahm, Magermilch und Nichtmilchbestandteile getrennt. Anschließend wird der Fettgehalt der Magermilch durch Hinzufügen von Rahm auf den gewünschten Gehalt eingestellt.

      Selbiges gilt naütrlich auch für alle anderen Produkte dieser Kategorie (Obers/Rahm usw).

      Die AMA bewirbt tierische Produkte sicher wesentlich intensiver als pflanzliche Lebensmittel. Zu ihrer Ehrenrettung fällt mir auf diesem Gebiet spontan nur die finanzielle Unterstützung von http://www.5xamtag.at/ ein

      LG
      Andrea

      antworten
  • 6. April 2017 at 11:51
    Permalink

    Sehr geehrte Frau Dr. Aspalter,

    Tierische Fette von Wiederkäuern enthalten von Natur aus einen gewissen Anteil an trans-Fettsäuren. Je höher der Gesamt-Fettgehalt in diesen Produkten, desto höher ist der Anteil an trans-Fettsäuren. Generell wird empfohlen weniger tierisches Fett zu essen. Lebensmittelbasierte Ernährungsempfehlungen, wie die österreichische Ernährungspyramide, beinhalten die Empfehlungen Fleisch und Wurstwaren auf maximal drei Portionen pro Woche einzuschränken. Bezüglich Milch und Milchprodukte lautet die Empfehlung, täglich drei Portionen. Sowohl bei Fleisch und Wurstwaren, als auch bei Milch und Milchprodukten wird darauf hingewiesen, fettarme Varianten zu bevorzugen. Fettreiche Milchprodukte wie Schlagobers, Sauerrahm oder Crème Fraîche sollten sparsam verwendet werden.

    Frage 1) Auch auf Ihrer Webseite (13) findet sich der Hinweis auf die „natürlichen“ Trans-Fette, jedoch fehlt hier eine Begründung, warum diese in der Verordnung ausgenommen sein sollten.

    Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelkontrolle erfolgt eine regelmäßige Überprüfung von Lebensmitteln hinsichtlich der Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorschriften, somit auch der auf nationaler Ebene erlassenen trans-Fettsäuren-Verordnung. Die Verordnung dient der Begrenzung des Einsatzes von trans-Fettsäuren in Lebensmitteln im Sinne des vorsorglichen Gesundheitsschutzes. Die Trans-Fettsäuren-Verordnung wurde am 20.08.2009 vom damaligen Bundesministerium für Gesundheit erlassen.

    Frage 2) Sie weisen auch auf die bestehenden europäischen Regelungen, welche Säuglingsnahrung und Olivenöl betrifft. Wenn Trans-Fettsäuren auch in Olivenöl vorkommen können und diese sogar nach der weit weniger einschränkenden europäischen Regelung begrenzt werden, darf dies wohl als weiterer Hinweis darauf gewertet werden, dass „natürliche“ Trans-Fette keineswegs weniger schädlich sind als industriell erzeugte?

    Bei der Regelung der trans-Fettsäure-Gehalte in Olivenöl handelt es sich um eine Vermarktungsnorm. Die Grenzwerte für Olivenöl stellen Parameter dar, die den Nachweis einer thermischen Behandlung erlauben. Ein Querbezug auf gesundheitliche Aspekte ist nicht gegeben.
    Die Verordnung (EG) Nr. 2568/91 über die Merkmale von Olivenöl und Oliventresterölen sowie Verfahren zu ihrer Bestimmung regelt die Anforderungen an Olivenöle, damit diese in der gesamten EU einheitlich festgelegt sind. Diese Verordnung umfasst Reinheitskriterien und Qualitätsmerkmale für die unterschiedlichen Kategorien an Olivenöl. Eines dieser Merkmale sind trans-Fettsäuren, deren Höchstgehalt in Abhängigkeit von der Olivenölkategorie in Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 2568/91 festgesetzt ist. In nativen Ölen kommen nur sehr geringe Mengen an trans-Fettsäuren vor. Erst durch Raffination von nativen Ölen können sich durch die dabei notwendige Hitzebehandlung nennenswerte Mengen an trans-Fettsäuren bilden. Der Gehalt an trans-Fettsäuren eignet sich somit als Indikator für eine thermische Behandlung von Olivenöl. Da natives Olivenöl nicht thermisch behandelt werden darf, sind die Höchstgehalte für die Kategorien „nativ extra“ und „nativ“ sehr niedrig. Die Summe an trans-Isomeren der Ölsäure sowie der Linol- plus Linolensäure darf jeweils maximal 0,05 % der gesamten Fettsäuren betragen. Die Höchstwerte sind für raffiniertes Olivenöl, das thermisch behandelt ist, mit 0,2 % bzw. 0,3 % höher festgelegt. Diese Höchstwerte dienen nur zur Überprüfung einer eventuellen thermischen Behandlung und stehen in keinem Zusammenhang mit gesundheitlichen Aspekten. Es handelt sich bei den in Olivenöl geregelten Substanzen nicht um natürliche trans-Fettsäuren, da diese in nativem Olivenöl nur in Spuren vorkommen. Die Höchstwerte sind auch deutlich niedriger als die in der österreichischen Trans-Fettsäuren-Verordnung festgelegten Höchstwerte.

    Frage 3) Warum wird bei der Bestimmung der Menge der Trans-Fettsäuren nur Elaidinsäure gemessen, wo doch gerade der Anteil der Vaccensäure nicht unerheblich ist.

    Bei der aktuellen Analytik mittels GC-FID und speziellem Säulenmaterial werden neben Elaidinsäure auch andere Transfettsäuren, darunter auch die Vaccensäure, gemessen und als Summe aller Transfettsäuren angegeben.

    antworten

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