Schwein ohne Schwein

Schillinger

 

 

 

 

 

 

Karl Schillinger, der Betreiber des legendären veganen Gasthofs in Großmugl (NÖ) und der Burgerkette Swing-Kitchen, hat seine Rezepturen in einem Buch verraten. Wer Deftiges mag, wird darin schwelgen. Philosophisch wirft das Buch brisante Fragen auf.

Darf man das? Als Veganer so auf die fleischige Pauke zu hauen und sich mit derbem Essen vollzuschlagen? Dafür plädiert nämlich gleich das Buchcover mit seinem Slogan: Fleischlos deftig essen.

Ich finde, das Buch zeigt sehr gut die Gratwanderung, die Veganer/innen zu vollbringen haben: Einerseits die Abscheu vor den Praktiken der Tierzucht und Schlachtung, andererseits aber ist da die Programmierung, welche zumindest seit der Nachkriegszeit von den Gasthäusern bis zum heimeligen Esszimmer gepflegt wurde. Wir wurden auf Fleisch, auf salzig, auf fett und auch auf süß getrimmt. Ist es da nicht zu verständlich, wenn uns solche Lusterlebnisse zeitlebens nicht mehr los lassen und quasi wie der fliegende Braten ein Leben lang vor der Nase hängen?

Durchaus! Ich finde, es steht jedem zu, seine „Geschmacksurerlebnisse“ immer wieder und wieder zu suchen. Und mehr noch! Ich finde, es drückt auch Wertschätzung gegenüber seiner Herkunft, seinem Kulturkreis aus, und kulinarische Genüsse ausschließlich in der Ferne zu suchen, wäre sicherlich eine sehr überzogene Sicht.

Aber wenn man schon auf die vegane Seite wechselt, geht es da nicht auch um bessere Ernährungsqualität? Um eine gesündere Ernährung? Ein kleines Bisschen zumindest? Von den 38 Rezepten des Buches sind drei Bohnenrezepte und drei Gemüserezepte. Alles andere sind Imitationen fleischlicher, deftiger und süßer Genüsse. Wäre es nicht toll gewesen, z.B. über die verschiedenen Kartoffelsorten zu schreiben? Über rote Rüben, Sauerkraut und Möhren? Über den Kohl und Fisolen, über die vielen heimischen Apfelsorten? (Ich bin noch mit mehr als 20 Apfelsorten aufgewachsen!)

Könnte nicht die Suche nach Ursprünglichkeit die Suche nach Rezepten sein, in denen diese Lebensmittel eine ganz neue Rolle bekommen? Die Hauptrolle und Glanzrolle nämlich auf dem Teller? Eine gute Kartoffel ist etwas dermaßen Gutes, da braucht es nichts weiter dazu! Nicht einmal Salz! Und ein zarter junger Kohlrabi! Was wäre damit nicht alles zu machen! Es hätte nicht nur bei der Suche nach immer wieder „gleichartigen“ Erlebnissen bleiben müssen, es hätte auch die Reise zu ganz neuen Eindrücken werden können, ohne in die Ferne zu schweifen.

Immerhin aber finde ich in diesem Buch Anregung und Bestätigung genug, meine eigenen Kreationen weiter zu entwickeln und weiter zu experimentieren! Und hin und wieder, wenn es mich tatsächlich mal in die rustikale Vergangenheit verschlägt, werde ich die Rezepte auch in ihrer puren Form nützen!

Herzergreifend aber sind die Erzählungen über die Schweine am Hof, die niemand mehr zu schlachten wagte. Karl Schillinger hat seine Frau, so erzählt er, bei einer Tierschutzaktion kennen gelernt – eine Geschichte zum Brüllen! Er hat nicht nur das Leben seiner eigenen Schweine gerettet, sondern wohl noch derer sehr viele mehr. Nun wäre es Zeit, ein Stückchen weiter zu gehen, und auch das eigene Leben zu retten – vor den Folgen von zu viel Fett und zu wenig „Gras“.

Das Buch ist 2016 in der edition a erschienen. Hier können Sie es bei Amazon bestellen:

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailby feather
twitterby feather

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.