Nervensache

Am Seil

 

 

 

 

 

 

Nach dieser im letzten Beitrag beschriebenen Besprechung mit meinen Onkologen und nach etwas Überlegen habe ich die 5. Chemo abgelehnt. Leider weiß man nicht sofort, ob das die richtige Entscheidung ist oder nicht. So waren meine Nerven in diesen letzten Wochen ganz schön in Anspruch genommen!

Bei jedem Schritt meiner Ernährungsveränderungen spürte ich eine Verbesserung meines Befindens, der Vitalität und Energie. Und wie in meinen ersten Postings hier hatten bereits die ersten Maßnahmen den Verlauf meiner Krebserkrankung deutlich beeinflusst. Noch nie aber hatte ich eine solche Veränderung bemerkt, wie bei meinem letzten Schritt: Ich habe noch Gemüsesäfte hinzugefügt, die rechtsdrehend-milchsäurevergoren waren. Die Veränderungen waren mit dem ersten Tag spürbar und ich habe dann noch mit Tropfen, die ich mir anhand der vorliegenden Literatur zusammenstellte und in der Apotheke anfertigen ließ, ergänzt.

Aber auch die Chemos haben mir bisher geholfen. Bis auf die letzte, die vierte, welche nur bis zu deren Hälfte eine Wirkung zeigte, aber dann keine Veränderung mehr brachte. Da die Onkologen mir wiederum das selbige Schema anboten mit dem vagen Versprechen, ich würde „profitieren“, und einen mehr als problematischen neuen Antikörper dazu (2% bzw. 3% Herztote in zwei Studien!), war ich nicht mehr bereit, diese vagen Vorteile gegen hohes Risiko auf mich zu nehmen. Und was nun – nach diesen vier Chemos – ziemlich offenbar ist: Sie lösen das Problem Krebs ja auch nicht auf Dauer! Das war der Grund, warum ich sie diesmal abgelehnt habe.

Was sich auch ganz deutlich verändert hat in diesem Jahr: Das Schicksalshafte der Krebserkrankung und all der Therapien, die man über sich ergehen lassen muss – ich kann das weniger denn je akzeptieren. Die Entartung der Zellen, wodurch immer sie ausgelöst wurde, ist ein physiologischer Vorgang. Warum sollte man da nicht eingreifen können?

Aber reichen meine Ernährungsumstellungen? Ich war nach diesen sehr überraschenden Effekten der rechtsdrehenden Milchsäure sehr positiv gestimmt, weil ich an meinen „Indikatorstellen“, den rauen Stellen auf der Gesichtshaut, deutliche Veränderungen merkte, weil ich plötzlich den Eindruck hatte, jetzt „arbeitet“ der Körper mit den Metastasen und schaut nicht einfach nur zu! Ja, ich war bisweilen sogar enthusiastisch. Nach zwei Wochen ließ ich wieder einen Tumormarker bestimmen. Er war angestiegen. Zwar waren da noch andere merkwürdige Dinge am Laborbefund, welche den Tumormarker etwas fraglich erscheinen ließen, aber der Schock darüber saß tief. Erst nach ein paar Tagen habe ich mich davon, mit vielfacher Erinnerung daran, dass die raue Stelle im Gesicht doch glatter wurde, dass manches an den unerklärlichen Laborbefunden als Heilungsreaktion aufgefasst werden könnte, wieder erholt. Und übrigens: Was habe ich denn erwartet? Nicht einmal die stärkste Chemo kriegt einen Krebs in zwei Wochen hin! Waren da zwei Wochen nicht viel, viel zu kurz um das einschätzen zu können?

Dennoch. Es ging mir nicht so gut wie gewöhnlich. Der Husten hat sich zwar wesentlich gebessert, er ist wesentlich lockerer geworden, aber jetzt bleibt er – auf einem gemäßigten Level – einfach gleich. Ich habe nicht ganz dieselbe Energie wie gewohnt. Und ich spüre immer wieder etwas im Brustkorb. Ist das jetzt tatsächlich die lange fällige Entzündungsreaktion gegen die Tumorzellen? Könnte es nicht auch Fortschreiten des Tumors sein? In ein Stadium, in dem man den Tumor spürt, also: ein sehr, sehr spätes Stadium? Ich war teilweise ganz schön an der Decke.

Endlich waren wieder zwei Wochen vergangen. Am Donnerstag nahm mir eine Kollegin Blut ab und am Freitag Nachmittag hatte ich den Befund. Er war wieder auf den Wert vor Beginn der Milchsäuresäfte gesunken! Ich weiß inzwischen sehr viel über die Milchsäuregärung von Zellen, über die Atmungskette in den Mitochondrien und die „Atmungsdefekte“, die Tumorzellen aufweisen. Ich habe mich mit allen möglichen Nebeneffekten von Milchsäure auseinandergesetzt und wie man sie vermeidet. Ich weiß aber noch nicht, wie diese Wirkung zustande kommt. Ich bin aber sehr sicher, dass es nicht die rechtsdrehende Milchsäure alleine war, die nun eine solche Veränderung bewirkt hat. Den Körpervorgängen nach zu schließen, hat diese nun ermöglicht, dass die Maßnahmen, die ich zuvor getroffen habe (keine tierischen Lebensmittel, ganz wenig Salz, ganz viele Antioxidantien, …) erst jetzt wirken können. Sie hätte also auch nicht dermaßen spürbar gewirkt, wenn ich die Veränderungen zuvor nicht vorgenommen hätte.

Das Ganze ist aber sicher noch nicht ausgestanden. Ich werde wohl noch ein paar Monate mit mal mehr, mal weniger Unsicherheit und Nervosität leben müssen. Aber seit Freitag habe ich wieder eine Bestätigung, dass die Richtung stimmt!

Photo: R. Rayan

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