Wenn alles durcheinander ist – Teil II

Affe

 

 

 

 

 

 

Nun habe ich bereits 3 Zyklen der 4. Chemo (mit wiederum 8 Zyklen) beinahe abgeschlossen. Interessanterweise erlebe ich jetzt die Infusionstage weniger gravierend als während meiner 3. Chemotherapie. Es stellt sich ein neues Muster ein.

Obwohl jeder Mensch natürlich ganz individuell auf die Chemotherapie reagiert, so gibt es doch typische Muster an Nebenwirkungen. Das Oxaliplatin war eines der unangenehmsten Mittel bisher. Es macht ganz seltsame Hautgefühle (Kribbeln und Brennen) und hohe Kälteempfindlichkeit. Es ist dabei z.B. nicht möglich, kalte Getränke zu trinken. Der Rachen schnürt sich sofort zu. Greift man in den Kühlschrank nach einer kalten Flasche, heißt es „Au!“. Daher haben die Patienten, welche dieses Mittel erhalten, immer einen Handschuh neben dem Kühlschrank liegen. Dafür macht es aber wieder kaum Haarausfall.

Irinotecan, welches ich während der 3. Chemo und auch jetzt erhalte, macht vor allem vegetative Symptome. Während der 3. Chemo hatte ich immer das Gefühl, von allen bösen Geistern gleichzeitig gequält zu werden. Ich schwitzte und mir war kalt zugleich. Ich war müde und aufgekratzt zugleich. Ich hatte Hunger aber einen Widerwillen gegen Essen. Ich musste dauernd zur Toilette, fühlte mich aber verstopft.

Diese Infusionstage sApfelspaltenind jetzt wesentlich milder und leichter zu handhaben weil meist eine Richtung überwiegt. So kann man eher etwas dagegen unternehmen. Dafür habe ich nun meist einen richtigen Knick mit einem Tief am 3. Tag danach. Aber gut, das ist einfach hinzunehmen, denke ich. Schließlich haben diese Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit auch ihren Sinn. Es sagt mir: Gib‘ Ruhe! Schone Dich! Ab ins Bett! Etwas, das ich ohnehin zu gerne überhören möchte.

Ganz unangenehm ist immer dieser fade bis grausliche Geschmack im Mund. Fade allein wäre ja nicht so schlimm. Das würde heißen: einfach nichts Besonderes. Aber es ist ein grauslich-fader Geschmack. Besser kann man es nicht bezeichnen. Ekelhaft sind auch Winde. Bitte, die stinken ja nicht mehr nur nach Fäulnis sondern bereits nach Verwesung! (So stelle ich mir das jedenfalls vor.) Nur gut, dass sich auch das immer wieder legt.

Eines der sonderbaren Empfindungen ist es, einerseits etwas ganz Derbes, Heftiges im Mund zu brauchen, wohl, um diesen unangenehmen Geschmack zu vertreiben, aber nichts Deftiges im Magen zu vertragen. Die ersten paar Mal unter Irinotecan war das so heftig, dass ich zu Cola und Pommes griff. War auch vegan, okay. Es war okay für die irritierten Geschmacksnerven und war mir vielleicht ein wenig psychischer Trost. Aber im Magen hat mir weder das Fett noch die Kohlensäure behagt. Diesmal griff ich intuitiv zu Schätzen, welche mein Bruder für mich gesammelt hat. Das waren einmal die getrockneten Apfelspalten aus wilden kräftigen Apfelsorten. Es passte perfekt vom Geschmack, ich hatte etwas Kräftiges zu kauen und es lag nicht schwer im Magen. Übrigens, auch ein paar Dattel oder Dörrzwetschgen eignen sich da ganz gut.

MinzeDann hat mir mein Bruderherz auch eine Minze aus seinem Berggarten getrocknet aus der ich Tee machte. Natürlich kennt jeder Minze, aber diese kräftige aromatische Minze war unvergleichlich in ihrer Frische und nahm das ganze flaue Gefühl im Mund. Es wird der Minze nachgesagt, dass sie bei Mundtrockenheit den Speichelfluss anrege. Ich bemerkte eine wohltuende Wirkung bei Speichelüberproduktion. Der Tee beruhigte auch den Magen und den Darm. Und es war etwas, was ich auch als ganz wichtige größere Flüssigkeitszufuhr problemlos zu mir nehmen konnte. Diese wundervollen Geschenke wirkten eleganter und feiner als man es je erfinden könnte.

Apropos Darm: Die Durchfälle können gravierend sein, sie hielten bei mir aber bisher noch nie so lang an, dass ich Medikamente nehmen musste. Was ich auf meine pflanzliche und sehr ballaststoffreiche Ernährung zurück führe. Diese Ballaststoffe saugen die Gifte und abgestorbenen Zellen der Darmschleimhaut auf und sorgen für den Abtransport. Die Kliniker aber geben Mittel, die die Darmmotorik still legen. Die Durchfälle hören zwar damit auf, aber das Gift bleibt im Körper. Es wurde mir mittlerweile auch von Diätologen bestätigt, dass Chemo-Patienten die reichlich hochwertiges Getreide und Gemüse essen, viel weniger Beschwerden haben.

So bin ich also recht guter Dinge für die weiteren Male. Ich sehe gute Mittel und Wege, nun auch trotz Chemo eine einigermaßen gute Befindlichkeit zu erhalten. Der Tumormarker ist wieder gesunken, meine Indikatorstelle an der Haut ist völlig verschwunden und somit bin ich auch recht optimistisch, was meinen nächsten CT, der in ein paar Wochen ansteht, betrifft!

Keep fighting!

Photos: R. Aspalter, T. Aspalter

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailby feather
twitterby feather

3 Kommentare auf “Wenn alles durcheinander ist – Teil II

  • 7. Februar 2016 at 23:08
    Permalink

    Liebe Frau Dr. Aspalter,
    wir kennen uns aus Bad Sauerbrunn und hatten dort nicht nur hochinteressante Gespräche sondern auch viel Spaß mit unserer Tischrunde. Ich durfte Sie als konsequenten und hochengagierten Menschen mit unglaublicher Akribie aber auch Humor kennenlernen.
    Dass Sie wieder durch eine Chemo gehen müssen, ist mehr als bescheiden und richtig traurig. Wichtiger ist aber, dass Sie immer noch Zuversicht haben, weiterkämpfen und IHREN persönlichen Weg gehen – das zeichnet Sie aus!
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft und liebe Menschen, die Sie durch diese Zeit begleiten – Sie verwöhnen Ihren Körper mit sehr guter Nahrung, die äußerst ansprechend angerichtet ist, und er wird auch diese schwierige Phase gut überstehen! Und wenn Ihre Seele Unterstützung braucht, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung – ich hab die Erfahrung gemacht, dass Gespräche und gute Zuhörer auch sehr hilfreich sein können.
    Herzlichen Gruß und alles erdenklich Gute!
    Ingrid aus Salzburg

    antworten
    • 8. Februar 2016 at 11:04
      Permalink

      Liebe Ingrid,

      vielen lieben Dank!
      Ja, es war eine recht lustige und sehr interessante Runde! Denke noch gerne zurück!

      Danke auch für Ihre Wünsche und auch Ihnen das Allerbeste!
      Herzlichst
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 23. Februar 2016 at 00:33
    Permalink

    Hallo Frau Aspalter, danke für ihre Beiträge. Es ist interessant und bewundernswert zu lesen, wie sie die Situation erleben und damit umgehen. Ich hoffe ihre Behandlung erzielt bestmögliche Erfolge und wünsche alles Gute.

    antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.