4:3 für den Krebs

Kopf hoch

 

 

 

 

 

 

 

Er hat wieder zugeschlagen. Der Krebs. Aber ich bin auch wieder ein bisschen weiser.

Ich war schon ein wenig besorgt. Es ging mir gut. Aber der Tumormarker stieg seit Sommer wieder an. Nicht viel, aber stetig. Noch immer schön im „Normbereich“. Aber was ist schon „normal“? Ich kenne inzwischen meinen Marker. Er ist ein Präzisionsphänomen. Und ich kann mich auf ihn verlassen! Böse gesagt: Ich kann mich mehr auf ihn verlassen als auf meine Onkologen, die meinten, das bedeute nichts! In solchen Momenten frage ich mich: Warum kommt es nur so häufig vor, dass die klassischen, na sagen wir „Hardliner“ der Schulmedizin, die Befunde, auf die sie selbst so bestehen, schlicht und einfach ignorieren?

Wie auch immer. Jetzt habe ich meinen CT-Befund. Es gibt wieder Knödel. Große Knödel in der linken Lunge, viele kleine Knödel in der rechten Lunge. Ich wurde zu den Chirurgen geschickt um zu erfahren, ob diese hoch verdächtigen, sekundärblastomatösen Knödel operativ entfernt werden könnten. Die erste Einschätzung lautete: Die größeren links sollten entfernt werden, aber möglicherweise muss ein ganzer Lungenlappen mit. Und keinesfalls geht es nun mit einem „kleinen Schnitt“, es müsse offen operiert werden und die OP dauere sicher „länger“. Ich habe nicht gefragt, wie lang oder um wie viel länger als was. Ich sah selbst: Bei dieser OP würde einiges drinnen bleiben. Rechts sowieso, denn man kann nicht rechts UND links gleichzeitig operieren, und sogar noch einiges links. Und ich stellte den Sinn der OP schon selbst in Frage. Auf meine Frage hin, wie groß der Unterschied für meine Prognose sei mit und ohne OP hat man sich heute nochmals besprochen und ist zu dem Schluss gekommen: Keine OP. Sie lohnt sich nicht.

So bin ich also wieder dort, wo ich im August 2014 war. Summa summarum. Und hatte ich da schon das sonderbare Gefühl, dass da irgendwer einen sehr bösen Scherz mit mir treibt, so trifft das jetzt nur noch mehr zu. Nie fühlte ich mich wohler in meiner Haut, nie energiegeladener und unbeschwerter, nie war ich zufriedener mit meinem Körper! Da fällt es nicht leicht, das zu glauben. Und so wird es wohl ein wenig dauern, bis ich voll begreife. Ich schwanke zwischen Belustigung, Wut, Zorn, Trotz und Trauer. Und das gelegentlich innerhalb von Minuten. Sorry.

Nur eines ist mir diesmal besser gelungen: Ich bin rascher aus meinem Schockzustand raus. Oder vielleicht auch so: Ich bin nicht in einen so dermaßen tiefen Schockzustand gestürzt wie damals.

Ich habe für mich selbst überraschend schnell zu recherchieren begonnen, überlegt und wie im Fieber gesucht. Ich habe versucht, zu verstehen, was da vor sich geht. Wie ist das möglich? Im April alles frei! Auch noch im Juli alles frei. Wie konnte nun wieder alles so schnell und so viel wachsen? Ohne tierisches Eiweiß? Woher nahmen die Biester das Material? Warum sind sie rechts klein und links groß? Woher haben sie gestreut? Waren die ganze Zeit über böse Zellen da? Krebszellen mögen keinen Sauerstoff, so heißt es. Warum habe ich aber dann Metastasen in der Lunge? Sie haben sich dort eingenistet, fühlen sich dort offenbar so richtig wohl! Und so weiter und so fort.

Ich glaub, ich hab noch nie so schnell wissenschaftliche Literatur durchgefegt. Über Eiweiß, über Fettsäuren, freie Radikale, über Sauerstoff, Chemotherapien und krebsfeindliche und antioxidative sekundäre Pflanzeninhaltstoffe. Jetzt hab ich mich ausgeheult. Und hol mal Luft. Ein Resümee wage ich: Auch wenn der Umstieg auf vegane Ernährung in der 3. Runde gegen den Krebs enorm viel bewirkt hat, so hatte offenbar doch auch die Chemo einen erheblichen Anteil an meiner Gesundung. Denn im März war die „große Chemo“ zu Ende. Dann hatte ich noch eine Erhaltungstherapie, die ich bis Juni durchhielt, aber dann wegen der Nebenwirkungen abgebrochen habe.

Ab da begann der Tumormarker wieder langsam, aber für mich deutlich zu steigen. So geht es also offenbar in die nächste Chemorunde. Ernährungsmäßig zumindest so weiter. Und wie immer es ausgeht. Ich hatte – und das trotz Chemo – ein wirklich gutes, tolles Jahr. Scheiß Krebs.

Photo: R. Aspalter, Infoscreenwerbung für Museumsquartier, Wien

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4 Kommentare auf “4:3 für den Krebs

  • 3. Dezember 2015 at 13:36
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    Liebe Frau Doktor, kämpfen Sie bitte weiter – für sich – und für uns.
    Wir brauchen Sie. Denke Sie an die Standing Ovations, mit denen Sie nach Ihrem Vortrag auf der Veganen Messe letzte Woche verabschiedet wurden.
    Alles Gute. Mara

    antworten
    • 4. Dezember 2015 at 16:09
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      Liebe Mara!
      Danke von Herzen!
      Und ja – in der Tat hat mir das wirklich große Interesse und die große Anerkennung, die ich da in der Menge gespürt habe, sehr, sehr geholfen! Ich denke, dass es mit geholfen hat, dass ich diesmal das Ganze relativ rasch emotional bewältigt habe!
      Ich konnte inzwischen die weitere Vorgangsweise fixieren. Nächste Woche beginne ich wieder mit der Chemo. Aber ich habe viel weiter recherchiert und zusätzliche Wege gefunden, audch diese Runde zu gewinnen und sie vielleicht zur allerletzen zu machen! ich bin jedenfalls wieder recht guter Dinge!
      Liebe Grüße
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 8. Dezember 2015 at 22:51
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    Ach wie schade. Lieber Gruß Uli Spreitzer

    antworten
  • 5. Februar 2016 at 08:05
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    Liebe Frau Aspalter,
    Seit einem Jahr bin ich und meine zwei Kinder vegan. Auf diesem Weg habe ich Ihre Seite gefunden. Da ich heute ihren Eintrag gelesen habe, möchte ich Ihnen
    gerne eine Seite weiter empfehlen:
    Heilenmitpilzen.de
    Der Gründer hast sich selbst
    Blut krebs geheilt-
    ich war auch in Wien bei
    einem Vortrag von
    Mycotroph und habe ihn live erlebt. Ich habe selbst auch dir Pilz kapseln genommen und sie haben mir sehr gut getan. Soweit ich weiss arbeiten sie bei Krebs mit Vitamin c und man darf keine Kohlenhydrate essen.
    Ich hoffe sehr, dass dieser Tipp ihnen hilft und wünsche Ihnen Gesundheit und alles Gute! Dorothea

    antworten

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