Auch nur ein Mensch?

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Foto: FAZ.net / Alana Landsberry


Soeben flog eine Schummelbloggerin auf. Sie gab vor, Tumoren im Gehirn, in der Milz und Leber, in der Gebärmutter und im blutbildenden System zu haben. Das alleine sollte schon skeptisch machen!

Bella Gibson heißt die australische Bloggerin, die mit Ihrem Blog und einer App („The Whole pantry“ = „Die ganze Speisekammer“) Furore machte. Dabei gab sie Tipps und Anregungen, wie man zu einer Ernährung auf pflanzlicher Basis und vorwiegend unveränderten Lebensmitteln wechselt. An sich eine gute Empfehlung, aus vielerlei Hinsicht.

Zweifel kamen aber auf, als sie keine klaren Angaben zu Ihrer Diagnosestellung, auch nicht zum Diagnosezeitpunkt geben konnte. Auch die Familie sah sie nie wirklich krank. Und schließlich kam eine beträchtliche Spende nicht dort an, wo sie laut ihrer Zusage landen sollte.

Woran hätte der Schwindel erkannt werden können? Nun, neben den Dingen, die die Sache dann auffliegen ließen, sollte einmal die „Geschichte“, die da erzählt wurde, Anlass zu intensiver Nachforschung geben: Es gibt Tumoren, die streuen, und das in viele Organe, das ist schon richtig. Aber es gibt wenige Menschen mit Mehrfachtumoren – also Krebs, der von mehreren Organen unabhängig ausgeht. Das Muster des Krebsbefalls, welches Mrs. Gibson beschreibt passt zu keiner Krankengeschichte. Zumindest Ärzte hätten hier aufmerksam werden sollen.

Und schließlich hat Fr. Gibson nicht nur ihre Fans betrogen, sie hat sie auch in gemeingefährlicher Weise getäuscht, indem sie vorgab, ohne Therapie auskommen zu können. Etwas, das fatal für Krebspatienten sein kann.

Ihr Verlag und Google, welche ihre App promoteten, reagierten prompt und entzogen ihr die Zusammenarbeit. Zurück bleibt aber ein sehr schales Gefühl. Es ist nicht nur zynisch für Krebsbetroffene, wenn andere vorgeben, an Krebs zu leiden und Spenden in nicht unbeträchtlicher Höhe einstecken (die Begründung der Bloggerin dafür war, dass ihre Umsätze, welche in Millionenhöhe lagen, nicht so gut liefen wie erwartet!), sie entzieht damit jedem weiteren Projekt, welches sich ernsthaft mit dem Thema „Ernährung bei Krebs“ auseinandersetzt, ein Stück Boden.

Mrs. Gibson rechnete offenbar damit, dass man nun ihr Verhalten mit „Auch nur ein Mensch“ entschuldigen würde. Das dürfte nicht zutreffen. Die Reaktionen sind böse. Und zu Recht. Es ging ihr eben nicht um die Sache, sondern um Eigennutz. Das sollte man unterscheiden können. Und schließlich: Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Oder in diesem Fall wohl besser: Die Mittel heiligen nicht den Zweck! Die Tatsache, dass an sich gute Empfehlungen gegeben wurden, entschuldigt nicht das Vergehen an Fans und vor allem an Krebsbetroffenen.

Quelle: Foto: FAZ.net / Alana Landsberry
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/belle-gibsons-erfundene-krebserkrankung-machte-sie-beruehmt-13555569.html
http://orf.at/stories/2274948/2274947

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