Gedanken zum 5-jährigen Überleben – Eine Verweigerung!

Tulpen

 

 

 

 

 

 

Nun sind es genau fünf Jahre seitdem ich mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurde. An sich sagt man, dass dies die magische Grenze sei. Hat man diese geschafft, stehen die Chancen gut. Doch wieder einmal falle ich durch alle Raster.

Die Annahme hätte gestimmt, wären die Routineuntersuchungen im Sommer unauffällig gewesen. Aber knapp vor Bestehen dieser 5-Jahres-Überlebensfrage wird es nochmals verdammt heiß. Metastasen in der Lunge und in mehreren Lymphknotenstationen. Die Sache ist damit alles andere als ausgestanden.

 Mama, warum heißt das Krebs?

Ironischerweise habe ich aber jetzt den Begriff „Krebs“ verstanden. Schon als Kind habe ich mich gefragt, warum man diese Erkrankung wohl Krebs nennt. Ich fand keinen Zusammenhang zwischen einem unkontrollierten Wachstum, zwischen Metastasen und einem Krebs und in meiner kindlichen Vorstellung tat es weh, von einem Krebs gebissen zu werden. Im Gegensatz dazu ist die Krebserkrankung aber gemein lange stumm und unbemerkt. Mag sein, dass der Name von dem quälenden Schmerz in Endstadien her rührt, aber davon konnte oder wollte man mir damals nichts sagen. Wie auch immer: Ich  verstand diese Bezeichnung überhaupt nicht. Aber jetzt habe ich die Erklärung: Der Krebs, wenn er sich fest gebissen hat, lässt dich nicht so leicht wieder los. Sei es als ständige Wiederkehr neuer Herde, oder sei es „nur“ in Form der Angst, es könne wieder „was sein“. Die sitzt tief in den Knochen und wohl alle, die sich den Nachsorgeuntersuchungen unterziehen müssen, kennen diese Bange vor den nächsten Befunden. Und das ist keine Übertreibung. Es kann jederzeit wieder so ein Ei, so eine Larve, die uns der Krebs gelegt hat, auftauchen. Das wissen wir, aus diesem Grund helfen die gut gemeinten Zusprüche, es wird schon nix sein, nur wenig. Aber ich verstehe diese Aussprüche auch sehr gut. Auch unsere Angehörigen und Freunde haben große Sorge, sie haben Angst um uns / um mich. Und es ist oft sehr schwer, darüber zu reden.

 Sterbefälle – den Tatsachen ins Auge sehen

Wie geht es mir nun? Nun, an sich recht gut, ich bin optimistisch und voller Zuversicht. Aber gelegentlich kippe ich in nackte Angst und Schaudern. Und am allerschlimmsten ist es, wenn wieder mal groß und breit in aller Öffentlichkeit von einem Menschen berichtet wird, der seiner Krebserkrankung erlegen ist. Das war im Jahr 2014 einige Male der Fall: Zunächst der FC Barcelona-Trainer Tito Vilanova, dann die Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, nochmals ein Fussballtrainer: Helmut L. Kronjäger (ja! L steht für Leben!) und nun auch der Journalist Kurt Kuch. Solche Momente sind wie Keulen. Sie scheinen wie der schreckliche Beweis dafür, dass der Krebs uns im Griff hat und nicht umgekehrt. Und jedesmal rinnt es mir kalt über den Rücken bei der Frage: Wie lange schaffst Du es noch? Wie werden für Dich die letzten Monate und Wochen sein? Solltest Du beginnen und Vorkehrungen treffen? In einem Fachjargon ausgedrückt, betrug die mittlere Überlebensrate im September 30 Monate. Das ist ja immerhin etwas und wesentlich besser als im August noch angenommen – die Recherchen damals ergaben 9 bis 11 Monate! Und körperlich geht es mir ja, bis auf die blöden Nebenwirkungen der Chemo, ausgesprochen gut. Aber 3,5 Monate sind inzwischen vergangen.

 Immer wieder das gleiche Schicksal!

Natürlich sagt jeder: das ist nur ein statistischer Wert und er sagt überhaupt nichts über den Einzelfall. Dennoch ist es erschütternd, zuzusehen, wie so viele den tapfer geführten Kampf verlieren. Die einen nach einer Phase, die heimtückisch nach Besserung aussieht, andere verschlechtern sich kontinuierlich. Sie, nein – wir! – glauben immer noch an eine Rettung, sei es von der Schulmedizin, sei es von alternativen Therapien. Wir glauben, etwas dagegen zu tun, und doch holt uns die zynische Erkrankung immer wieder ein. Und nur in den schlimmsten Momenten anerkennen wir unsere Macht- und Hilflosigkeit. Besonders betroffen hat mich die Geschichte der amerikanischen Glioblastom-Patientin Brittany Maynard, die am 3.11.2014 dem entwürdigenden Leben mit Krebs ein Ende setzte, welches ihr alles von innen heraus nahm: ihre Kraft, ihr Denken, die Kontrolle über ihren Körper, ihre Kommunikationsfähigkeit – sie kannte immer häufiger ihren Mann nicht mehr.

 Was ist der Krebs nur für eine Erkrankung?

Was ist der Krebs nur für eine Erkrankung! Er wuchert in uns. Die Schulmedizin hat viel erreicht. Gerade frühe Stadien sogenannter „solider Tumoren“, also Tumoren, die wie ein Knödel in einem Organ auftreten, sind gut heilbar. Schlimm ist es aber, wenn es sich von Anfang an um einen „streunenden“ (besser medizinisch ausgedrückt: um einen streuenden) Krebs handelt, etwa einem Blutkrebs. Oder wenn ein „solider“ Tumor einmal gestreut hat. Ab da sind die Chancen, ich musste das viele Male bei Patienten mit ansehen, extrem gering. Und deshalb saß der Schock im September, als ich hörte, dass nicht mehr operiert werden könne, tief! Nun, im Augenblick sieht es erfreulich positiv aus, aber die Angst ist da, dass dies ebenso trügerisch ist wie in vielen beobachteten Fällen, wo es hieß: geheilt! Die Therapie greift! Und vom Tod eines Krebspatienten zu hören ist jedes Mal eine Nachricht von Deinem eigenen Tod. „Hallo, wie steht’s mit Dir? Bist Du bereit?“ „Nein! Definitiv nicht!!“

 Leben auf Abruf

Ich klage nicht, ich habe mich bisher ziemlich erfolgreich geschlagen. Aber es ist auch keine Lappalie, nun seit 5 Jahren mit der Möglichkeit einer nur kurzen weiteren Lebensdauer zu leben. Eine langfristige Planung ist da sehr schwer. Und in diesem vergangenen Sommer kaufte ich Konzertabos mit der Unsicherheit, diese noch zu erleben (Die Prognose stand da bei 9 bis 11 Monaten – und bei einer solchen Prognose muss auch dazu gesagt werden, dass sicher nicht alle davon in Lebensfreude genützt werden können!).

 Krebs ist entwürdigend

Der Krebs ist eine entwürdigende Erkrankung. Er nimmt uns langsam, aber mit unglaublicher Präzision, eine Fähigkeit um die andere, eine Körperfunktion um die andere. Er lässt uns so dämlich hilflos aussehen, und es ist einfach brutal, dies so unverhüllt zu sehen. Und alles Leid – unangenehme Untersuchungen, unangenehme Therapie, aufgeblähte Bäuche, Beine, die nicht mehr funktionieren, Übelkeit, ständiges Erbrechen, Amoniakgeruch im Atem, wenn die Leber versagt, nicht Schlucken können, beinahe Ersticken, diese Schmerzen, die nur weg sind, wenn man komplett mit Medikamenten eingetunkt ist. Ich habe mit vergleichsweise minimalen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber ich weinte, als ich das erste Mal mit Perücke außer Haus gehen musste. Ich fand es so unwürdig. Ja, der Krebs nimmt uns auch einen großen Teil unserer Würde.

Sollte ich dankbar sein für das 5-jährige Überleben? Ich bin es! Ich lebe, wie so viele weitere Patienten berichten, wesentlich bewusster. Ich weiß Dinge zu schätzen, auf die ich zuvor gar nicht geachtet habe, weil sie mir als selbstverständlich erschienen. Aber ich bin auch wütend. Das ist nicht zu verleugnen. Ich kann und will mich – noch – nicht mit der Endgültigkeit abfinden.

 Meine Strategie, mein Spiel!

Ich bin nicht bereit für den Tod. Ich kämpfe noch. Und ich bilde mir ein, gegen diesen heimtückischen Krebs eine Waffe gefunden zu haben. Ich arbeite daran, nachzuweisen, dass rein pflanzliche Ernährung tatsächlich eine Waffe ist und ich möchte diese Waffe auch anderen zur Verfügung stellen. Meine behandelnden Ärzte sagen mir ganz offen, dass sie dies nicht glauben.

Ich glaube, dass wir sehr, sehr viel mehr machen können, als wir bisher wissen. Der Todesfall von Kurt Kuch ist wieder ein Wink! Komm! Mach! Nütz Deine Zeit!
Und R.I.P. – Du Tapferer!

Photoquelle: Tulpen, R. Aspalter

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11 Kommentare auf “Gedanken zum 5-jährigen Überleben – Eine Verweigerung!

  • 5. Januar 2015 at 01:15
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    Liebe Frau Aspalter,
    ich folge Ihnen auf Twitter, ich lese ALLES, was Sie schreiben und muss Ihnen endlich danken für Ihre vielen hilfreichen Beiträge!
    Ich wünsche Ihnen vom Herzen, dass Ihr Weg erfolgreich ist und wünsche Ihnen jede Menge Kraft und Zuversicht.
    Alles Gute und beste Grüße
    Christa Bräuer

    antworten
    • 5. Januar 2015 at 12:51
      Permalink

      Danke, liebe Christa! Auch Ihnen ein gutes Jahr 2015!
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 5. Januar 2015 at 14:35
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    Liebe Frau Aspalter!

    Ihnen alles Gute, was für eine Inspiration!
    Mein Vater ist leider im Mai ebenfalls an den Folgen einer Lungenkrebserkrankung gestorben!

    Ich bin Laie, aber fest davon überzeugt, dass fleischlos hilfreich ist!

    Viel Kraft und Wille
    Herzlichst
    Martin

    antworten
    • 12. Januar 2015 at 21:53
      Permalink

      Lieber Martin,

      bitte entschuldige, diese Nachricht hat ein zu gut gemeintes Anti-Spam-Tool verschluckt! Jetzt per Zufall entdeckt!

      Ich fühle mit Ihnen, es ist für alle Beteiligten wie ein Sturzbach, der alles mit zu reißen droht!
      Auch Ihnen alles Gute – geben Sie sich alle Zeit, die sie brauchen!

      Und herzlichsten Dank für Ihre Wünsche! – Kann ich jetzt gut brauchen!
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 5. Januar 2015 at 15:20
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    Liebe Frau Dr. Aspalter,

    „zufällig“ landete ich hier bei Ihren Gedanken. Auch ich bekam im Vorjahr die Diagnose Krebs. Ich glaube aber ganz fest, dass es solche und andere Krebse gibt. Ich scheine zum Glück einen der „anderen“ erwischt zu haben. Die OP ist über 1 Jahr her und ich war noch bei keiner Kontrolle. Ich bin völlig Ihrer Meinung, dass pflanzliche Ernährung die richtige Antwort auf eine solche Herausforderung ist und wenn irgendwie möglich, vermeide ich tierisches Eiweiß. Leider geht es nicht immer, aber zumindest so selten wie möglich. Ich halte es auch für wichtig zu wissen, was dem Körper an Vitaminen usw. fehlt. Ich könnte mir für mich nicht vorstellen, die Erkrankung ausschließlich über die Schulmedizin heilen zu wollen. Ich brauche einfach auch die Naturheilkunde. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden und wissen, womit er sich besser und sicherer fühlt.

    Ich wünsche Ihnen weiterhin das Allerbeste und ahne bereits, dass wir uns demnächst mal in Ihrer Ordination begegnen könnten. 😉

    Herzlichst
    I. J.

    antworten
    • 5. Januar 2015 at 16:57
      Permalink

      Liebe I.J., danke für Ihre Wünsche!
      Ja, es gibt sehr, sehr unterschiedliche Krebsarten und Verläufe. Aber wenn ich tierisches Eiweiß weg lasse, habe ich automatisch eine Sicherheitsstufe gegen überschießendes Zellwachstum eingebaut, dafür habe ich nun mehr und mehr Hinweise.
      Es ist gut, wenn Sie offentsichtlich beschwerdefrei sind, aber die Nachsorgekontrollen sollten Sie unbedingt einhalten! Es ist zu Ihrer Sicherheit!
      Liebe Grüße – und gerne auf ein Kennenlernen in der Ordination!
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 3. Februar 2015 at 18:51
    Permalink

    Liebe Rosa,
    wir waren vor ein paar Jahrzehnten – während deines Studiums – befreundet und haben uns irgendwann aus den Augen verloren. Als Erinnerungsauffrischung ein paar Hinweise: Ich komme auch aus OÖ und studierte Soziologie und Philosophie. Vor ein paar Tagen bin ich eher zufällig (falls es das wirklich gibt) über deine website gestolpert.
    Vieles spricht dafür, viel weniger – oder gar kein – Fleisch zu essen. Ich finde deine Forschungsarbeit spannend und wünsche dir alles Gute, Eveline

    antworten
    • 3. Februar 2015 at 19:23
      Permalink

      Liebe Eveline,
      ich hab Dir per Mail geantwortet!
      ;-)))
      LG
      Rosa

      antworten
  • 17. Februar 2018 at 23:39
    Permalink

    Liebe Fr. Dr. Aspalter!
    Meine Frau hat ein kleinzelliges Bronchalkarzinom, dass nur durch Zufall entdeckt wurde! Sie hat 6 Chemo Zyklen erhalten. Nach der 3. Chemo Serie begann sie, Methadon, dass uns der Hausarzt und gleichzeitiger Palliativarzt gab, zu nehmen! Nach der 6. Chemo Serie war der Tumor nicht mehr vorhanden!
    Dazwischen hatte sie auch noch eine beidseitige Lungenembolie; auch ohne etwas zu merken!
    Nach der Chemo bekam sie noch eine prophylaktische Lungen-und Ganzhirnbestrahlung; insgesamt 40 (30+10) mal!
    Der zuständige Onkologe im Krankenhaus Amstetten hat mit dem Methadon keine Freude und rät davon immer wieder ab!
    Das Methadon nimmt sie noch deshalb, weil Dr. Hilscher meint, man sollte es noch 2 Jahre weiter nehmen!
    Da aber vor 2 Wochen bei einer PET- CT und einer Thorax – CT wieder etwas zu sehen war, man aber nicht genau weiß, was es ist, kommen mir jetzt Zweifel, ob das mit dem Methadon der richtige Weg ist!
    Jetzt entdeckte ich Ihre Seite im Internet und Sie meinen auch, dass das mit dem Methadon nicht so stimmt!
    Könnten Sie mir vielleicht einen Rat geben, wie wir weiter vorgehen sollen?
    Haben Sie auch Erfahrungen mit Cannabinoide ( THC, CBD)? Wäre das eine Alternative?
    Leider sind Sie für meine Frau zu weit entfernt, um Sie in der Ordnation zu besuchen, da sie auch eine Polyneuropathie hat, was der eigentliche Ausgangspunkt der ganzen Krankengeschichte war!
    Wenn Sie meinen, dass es Sinn machen würde, wenn ich Sie in der Ordination besuche, würde ich es gerne machen!
    Ich würde mich freuen, wenn Sie mir eine Rückmeldung geben könnten!
    Liebe Grüße aus Gloxwald
    Helmut Maierhofer

    antworten
    • 18. Februar 2018 at 12:59
      Permalink

      Lieber Herr Maierhofer,

      also, ich kann Sie insofern beruhigen, als Sie mit dem Methadon sicher nichts „angestellt“ haben.
      Möglicherweise würde die Situation ohne Methadon noch ganz anders aussehen.

      Was ich Ihnen in meiner Praxis abieten könnte, wäre eine Ernährungsberatung. Hier habe ich mittlerweile sehr viel – über die rein pflanzliche Ernährung hinaus – recherchiert und auch selbst probiert und es ist einiges, was damit erreicht werden.

      Mit freundlichen Grüßen
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
      • 18. Februar 2018 at 17:00
        Permalink

        Liebe Frau Dr. Aspalter!
        Ich Danke Ihnen für schnelle Antwort und ich bin beruhigt bzgl. Methadon.
        Zu der Ernährungsberatung würde ich mich, obwohl meine Frau da sehr „konservativ“ veranlagt ist, gerne von Ihnen Beraten lassen, den vielleicht kann ich sie dann doch noch überzeugen!
        Ich würde Sie, wenn das möglich ist, mich rechtzeitig bei Ihnen wegen eines Termins melden!
        Liebe Grüße
        Helmut Maierhofer

        antworten

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