Hexachlorbenzol (HCB) – Krebserregend oder nicht?

Pillen

 

 

 

 

 

 

In einem ausnehmend gut recherchierten Artikel hat die österreichische Tageszeitung Die Presse eine Auswertung der Krebsraten in den HCB-betroffenen Gebieten in Kärnten und einen Vergleich mit den österreichweiten Werten angestellt. Wie krebserregend ist HCB tatsächlich?

Aus der in Zusammenarbeit zwischen Die Presse und Statistik Austria entstandenen Auswertung geht hervor, dass in Kärnten jährlich 313 Personen pro 100.000 Einwohner an Krebs erkranken (siehe Graphik). In den von HCB am meisten belasteten Bezirken, nämlich St. Veit / Glan und Klagenfurt, sind es sogar 344 bzw. 343 Personen pro 100.000 Einwohner. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 265. Dies ist nicht, wie der ORF durch Umkehrung der Berechnung glauben macht (2), eine 20% ige Steigerung, sondern eine 30% ige Steigerung!

Krebsinzidenz Kärnten

Bildquelle: Die Presse, 17.12.2014, / Bild: Gregor Käfer

 Ist HCB krebsfördernd – ja oder nein?

In Tiermodellen erwies sich HCB als krebsfördernd; und zwar in mehrfacher Hinsicht. Ratten entwickelten Lebertumore, Tumore der Nebenniere, der Niere und der Lunge. Laut österreichischer Grenzwertverordnung 2011 reicht es für die Einstufung als eindeutig krebserregende Substanz aus, wenn die Substanz sich im Tierversuch als krebserregend erwiesen hat (§10, Ab. 10 (2)). Und als solche ist also HCB auch in der Liste der krebserzeugenden Stoffe gelistet (Anhang III, A2).

Jede noch so geringe Konzentration birgt ein Risiko!

Für den Arbeitsplatz gelten MAK-Werte (maximale Arbeitsplatzkonzentrationen) und TRK-Werte (technische Richtkonzentrationen). Was ist der Unterschied? MAK-Werte sind gesundheitsbezogene Werte. Es sind jene Maximalkonzentrationen, die als gesundheitlich unbedenklich angesehen werden können. Dies kann aber nur für ganz bestimmte Gesundheitsfolgen und Organschäden, etwa dem Zusammenhang zwischen einer Gaskonzentration in der Luft und Atemproblemen, ermittelt werden. Bei krebserzeugenden Substanzen kann in der Regel keine Wirkungsschwelle bestimmt werden. In anderen Worten: Es gibt keine Konzentration, bei der ein krebsfördernder Stoff als völlig unbedenklich angesehen werden kann.

Was hat man bisher gemacht? Man hat sich in Fällen, wo keine MAK ermittelt werden konnten, also bei den meisten kanzerogenen (krebserregenden) Stoffen an der technischen Machbarkeit orientiert und, wo dies möglich war, technische Richtwerte dafür angegeben. Dies sagt aber natürlich nichts über das Gesundheitsrisiko aus und berücksichtigt nicht, dass die unterschiedlichen Substanzen unterschiedlich gefährlich sind. Daher hat man in Deutschland die MAK- und TRK-Werte 2005 durch eine neues Regelwerk von Arbeitsplatzgrenzwerten und die TRK durch ein abgestuftes Risikokonzept für krebserzeugende Stoffe ersetzt. Dabei wird der Handlungsbedarf umso dringlicher, je höher das Risiko einer Krebsentstehung ist.

Schwellenwerte gelten nicht für Krebsentstehung!

Die von der AGES und den Kärntner Behörden suggerierte „Unbedenklichkeit“ betrifft nur bestimmte Gesundheitseffekte (z.B. Leberschädigung) und nicht die krebsfördernde Wirkung. Dass es für HCB keinen Schwellenwert für eine krebserzeugende Wirkung gibt, liegt also nicht daran, dass es unbedenklich wäre, sondern dass es keine unbedenkliche Konzentration gibt! Und ein Zusammenhang zwischen HCB-Belastung und Krebserkrankung ist daher eher anzunehmen als rein statistisches Zusammenfallen!

Zusätzliche krebsfördernde Wirkungen von HCB

By the way: HCB wirkt nicht nur selbst krebserregend. Es verstärkt auch die krebserzeugende Wirkung anderer krebserzeugender Stoffe wie Heptachlor und es verstärkt das Wachstum bestehender Tumore sowie die Metastasierung von Brustkrebs im Tierversuch.

Quellen:
1) http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/4621748/Kaernten_Hohe-Krebsrate-im-HCBBezirk?direct=4622784&_vl_backlink=/home/panorama/oesterreich/4622784/index.do&selChannel=&from=articlemore
2) http://kaernten.orf.at/news/stories/2685145/

Bildquelle: Tablettencocktail: R. Rayan
Graphik: Die Presse, 17.12.2014, / Bild: Gregor Käfer

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailby feather
twitterby feather

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.