Was WissenschafterInnen so zu „vegan“ sagen!

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Die technischen Vorbereitungen für das Online-Projekt zur Sammlung von Daten zum Thema „Ernährung und Krebs“ laufen so schön, dass es man es sich besser nicht wünschen kann. Große Begeisterung, viele helfen bereits – teilweise unentgeltlich – mit!

Als der schwierigste Part stellt sich der wissenschaftliche heraus. Es zeigt sich, dass selbst ErnährungswissenschafterInnen nicht mit dem Thema „vegane Ernährung“ vertraut sind. In Gesprächen über mögliche Zusammenarbeit und die Gestaltung eines Studienprotokolls stoße ich da auf Argumente, die in wissenschaftlichen Kreisen nicht fallen sollten.

Da wären mal:

„Vegan ist nur was für die intelligenteste Schicht, weil es viel Wissen erfordert!“
Hallo, zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt vegan! Von einer „Oberschicht“ kann hier also nicht die Rede sein!

„Vegan ist teurer“
Auch hier: Zwei Drittel der Weltbevölkerung lebt vegan – verbunden mit vielen Nachteilen armer Länder. Vegan ist definitiv billiger als Fleisch, Milch, Käse und Eier. Erst wenn wir zu den „veganen Artefakten“ wie veganen Würsten in unseren Supermärkten greifen, wird es wieder teurer.

„Vegan – da fängt ja das Problem schon beim Frühstück an! Da habe ich ja nichts zum Frühstücken!“
Oh weia, nur mal einen Blick in eines der tausenden veganen Kochbücher werfen!

„Wir können doch die Krebspatienten nicht in die Mangelernährung jagen!“
Ich finde es seltsam, wenn vor der veganen Ernährung gewarnt wird anstelle vor den tierischen Produkten. Welche Ernährung ist die qualitativ höher stehende im Sinne von Nährstoffverteilung, Nährstoffdichte, Vitamin- und Mineralstoffgehalt, Ballaststoffgehalt, Gehalt an Cholesterin und (un)gesättigten Fettsäuren? Es ist eindeutig die pflanzliche Ernährung.

„Die Veganer schaffen es nicht, auf ihre Proteinzufuhr zu kommen!“
Wie in mehreren Beiträgen hier gezeigt, ist es ein Leichtes, auch mit veganer Ernährung 10 % seiner Kalorienzufuhr oder 0.8 g Eiweiß / kg Körpergewicht zu erreichen.

Den „Vogel“ schoss aber eine Professorin ab, die auf meinen Hinweis, fürs Müsli könne man Sojamilch nehmen, folgendes antwortete: „Sojamilch, das ist ja nicht bodenständig!“

Als ob sich je Wissenschafter in ihren sonstigen Projekten um Bodenständigkeit von Medikamenten oder anderen Behandlungsmethoden kümmern würden! Als ob Bodenständigkeit ein Kriterium für Wissenschaftlichkeit oder Qualität wäre!

Dreifache Unterschrift zweier Erzbischöfe

Kurzum, es ist überraschend wie wenig sachlich die Diskussion über vegane Ernährung gerade mit WissenschafterInnen geführt werden kann. Und man ist unangenehm berührt, wenn man weiß, dass besagte Professorin Mitglied einer Ethikkommission ist, welche über Zulassung oder Nicht-Zulassung von Studien entscheidet! Ich fühle mich an den Forscher Haldane erinnert, der in den 1920er Jahren Versuche mit Sauerstoff machte und vor allem die Toxizität dieses lebenswichtigen Elements zeigte, wenn es in zu hohen Dosen vorhanden ist. Und zwar in Selbstversuchen, die mitunter lebensbedrohlich waren. Er war nicht nur der ethischen Überzeugung, dass man als Forscher auch sein eigenes Versuchstier sein müsse. Er fand, dass dies auch ganz praktisch war: „Denn etwas an Hunden zu machen, was Du tagtäglich mit Medizinstudenten machst, erfordert die dreifache Unterschrift zweier Erzbischöfe!“

Aber manchmal zwingen äußere Umstände, die skurrilen Bedingungen, die die Wissenschaft selbst setzt, zu überwinden. Und  manchmal ist der Zeitgeist einfach weit der Wissenschaft voraus und nicht umgekehrt!

Fotoquelle: R. Aspalter

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