Allergie oder Hysterie? Teil I

Bauchschmerzen

 

 

 

 

 

 

Eine Allergie ist nicht einfach Bauchzwicken. Allergien sind schwere bis lebensbedrohliche Erkrankungen.

So sehr ich das Internet als Informationsquelle schätze, in Sachen Allergien hat es eine Menge Mist gebaut. Wenn man liest, dass Bauchbeschwerden oder Atemprobleme Zeichen einer Allergie sein könnten, stimmt das zwar, ohne weitere Angaben aber, unter welchen Voraussetzungen dies wahrscheinlich ist, führen solche Angaben mehr zur Beunruhigung als zu mehr Sicherheit.

Allergien sind selten.

Allergien sind im Zunehmen begriffen, dass ist richtig. Dennoch wird die Häufigkeit weit überschätzt. Dies liegt daran, dass jedes unspezifische Symptom, ein Zwicken oder Jucken, ein Drücken oder Kribbeln, an eine Allergie denken lässt. Das Gemeine daran ist: Echte allergische Reaktionen beginnen auch so. Wie also sollten Sie es schaffen, einerseits nicht übertrieben zu reagieren, andererseits aber auch nichts zu übersehen? Es gibt ein paar ganz einfache Regeln dazu.

Regeln für das Erkennen echter Allergien

  1. Wahrnehmen ist gut! Wenn Sie ein Kribbeln im Mund spüren, ist es gut, darauf zu achten. Wenn Sie ein blähendes Gefühl im Bauch spüren, ist es gut, wenn Sie es nicht ignorieren. Beobachten Sie weiter! Steigern sich die Beschwerden in Minutenschnelle und sind auch Herz, Atmung und Kreislauf betroffen – ab die Post! Rettung rufen! 144 !
  2. Bleiben die Beschwerden gleich, ist es aller Wahrscheinlichkeit nach keine Allergie. Es sollte in aller Ruhe überlegt werden, ob es sich um Unverträglichkeit handeln könnte.
  3. Je früher die Symptome auftreten, desto wahrscheinlicher ist es eine Allergie und desto ernsthafter ist sie! Sie essen eine Erdbeere oder ein Stew mit Erdnüssen. Der Mund schwillt innerhalb von wenigen Minuten an, sie beginnen zu schwitzen, das Herz rast. Sie ringen nach Luft und verlieren das Bewußtsein. Das ist die Allergie in der schlimmsten Form: dem anaphylaktischen Schock. Auch Bienen- und Wespenstiche führen zu diesen schwersten Allergien.
  4. Die häufigsten Lebensmittel, die solche Allergien hervorrufen können sind: Erdnüsse, Nüsse, Schalentiere und Fisch.
  5. Symptome, die wahrscheinlich keine Allergie darstellen: Druckgefühl, Hitzegefühl, Blähungen
  6. Symptome, welche erst einen Tag später auftreten, sind aller Wahrscheinlichkeit nach keine Allergien sondern Unverträglichkeiten.
  7. Allergien sind kurz anhaltende Reaktionen. Sie erbrechen heftig eine Stunde nach dem Essen? Und haben Durchfall? Der Körper entledigt sich der Dinge und beruhigt sich. Waren jedoch Salomonellen am Hühnchen, wird sich der Zustand über die weiteren Stunden verschlechtern.

Erkennen von Lebensmittelallergien bei Kindern

Kinder, insbesondere wenn Sie ganz klein sind und noch nicht sprechen können, greifen sich oft in den Mund und in die Ohren, welche jucken und ziehen oder kratzen an der Zunge und versuchen auszuspucken. Kinder, die bereits sprechen können, drücken dies oft so aus:

  • „Das ist scharf!“
  • „Meine Zunge / mein Mund ist heiß!“
  • „Meine Zunge / mein Mund brennt!“
  • „Da ist etwas auf der Zunge!“
  • „Meine Zunge juckt!“
  • „Meine Zunge ist so dick / schwer / voll!“
  • „Da sind Haare auf der Zunge / im Mund!“
  • „Meine Zunge / mein Mund ist komisch!“
  • „Da ist etwas in meinem Hals!“
  • „Meine Lippen sind so eng / dick / komisch / schwer / voll!“
  • „Da ist etwas im Ohr!“

Allergien bei älteren Menschen

Vor einigen Jahren hätte man zu den obigen Regeln noch hinzufügen können:
„Wenn Sie bereits 50 Jahre oder älter sind und die Beschwerden erstmalig haben, ist es wahrscheinlich keine Allergie.“ Allergien sind am häufigsten im Kindesalter. Je älter, desto seltener waren Allergien. Dies ändert sich nun seit es die „Protonenpumpenhemmer“ gibt. Das sind Medikamente, welche die Produktion von Magensäure hemmen und vielen älteren Menschen als „Magenschutz“ verabreicht werden, etwa, wenn sie auf Dauer Aspirin nehmen müssen. Aber auch viele jüngere Menschen mit chronischen Speiseröhrenentzündungen oder chronischer Gastritis erhalten diese Medikamente. Pantoprazol, Omeprazol, Esomeprazol, Lansoprazol,… kommt Ihnen dies bekannt vor? Eine Wiener Forschergruppe fand heraus, dass die Häufigkeit von Lebensmittelallergien mit der Zunahme dieser Medikamente ansteigt. Warum? Nahrungsmittelproteine, welche normalerweise im Magen durch die Salzsäure abgebaut werden, werden nun nicht mehr vollständig zerlegt und gelangen so in den Darm, und das Immunsystem reagiert nun auf ein „fremdes“ Protein.

So wichtig diese Medikamentengruppe auf Grund ihrer überlegenen Wirkung geworden ist, so sollte man doch immer wieder überprüfen, ob sie tatsächlich noch benötigt werden.

Mildere Formen von Lebensmittelallergien

Diese sind schwerer zu erkennen und zeigen sich oft sehr ähnlich wie eine entsprechende Unverträglichkeit. Als Grundregel gilt: Es sollte nur dann eine Lebensmittelallergie angenommen werden, wenn Sie tatsächlich ein oder wenige Lebensmittel festmachen können, auf welche Sie reagieren. Ein Beispiel: Sie essen ein bestimmtes Obst und bekommen Beschwerden. Sie trinken Milch und bekommen Beschwerden. Ein ständiges Unwohlsein ohne klaren Hinweis auf bestimmte Lebensmittel ist mit allergrößter Wahrscheinlichkeit keine Allergie.

Haben Sie eine Aversion gegen Lebensmittel, die Sie verdächtigen? Eine kurze Geschichte: Ein Patient kommt zu mir und äußert den Verdacht auf eine Weizenallergie. Ich frage nach den Symptomen. So wirklich klare sind aber nicht zu fassen. Ich frage, ob er Weißbrot isst. Ich dachte mir, vielleicht isst er einfach kaum mehr davon und hat deshalb wenig Beschwerden. Überraschenderweise war die Antwort: „Unmengen!“ Eine Allergie anzunehmen und dabei Unmengen von dem „verdächtigen“ Lebensmittel zu essen, ist paradox und schließt eine Allergie bereits aus.

In Folge II lesen Sie:

Wie aber umgehen mit Blähungen, Krämpfen und Unwohlsein?

Bildqelle:
Multi racial man with constipation, www.istockphoto.com

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