Der Rindfleischfaktor

beef fillet with white asparagus and potatoes

 

 

 

 

 

 

Im Augenblick ist das Rindfleisch wieder „in aller Munde“. Es soll nämlich den neuesten Pressemeldungen nach ganz wesentlich bei der Entstehung von Darmkrebs beteiligt sein.

Rindfleischkrisen

Es war in der Zeit der BSE-Krise, also in den Neunzigerjahren. Ich machte gerade meine Spitalsausbildung und ging mit einer Kollegin Mittagessen in die Spitalskantine. Sie wählte das Rindfleischmenü. Noch bevor wir auch nur im Ansatz darüber ätzen und uns lustig machen konnten, hob die tapfere Kollegin ihren Teller auf Nasenhöhe und fragte: „Do you speak English?“

Nun bricht die nächste Krise herein. Der Nobelpreisträger Harald zur Hausen war gestern zu Gast im Mittagsjournal auf Ö1 (1) und zahlreiche Medienberichte greifen das Thema auf: Rindfleisch verursacht Darmkrebs. Etwa 20% dieser Krebsfälle sollen nach Schätzungen des Wissenschaftlers darauf zurückzuführen sein. Wie diese Zahl zustande kommt, bleibt unerklärt. Er bietet jedoch eine mögliche Hypothese an, wie Rindfleisch dies bewerkstelligen könnte. Er geht von Viren aus, die im Rindfleisch nisten.

Forscherkrisen

Dies mag dadurch erklärt sein, dass der Wissenschaftler auf Viren fixiert ist, nachdem er entdeckt hat, dass ein großer Teil der Fälle an Gebärmutterhalskrebs bei Frauen durch bestimmte Papillomaviren hervorgerufen wird und sicherlich verdient den Nobelpreis dafür erhalten hat. Aber im Falle des Darmkrebses ist das noch reine Spekulation. Es gibt bisher keinen Nachweis, dass Viren tatsächlich diesen Krebs hervorrufen. Es wurden zwar Viren und Virusgene entdeckt, welche bei Rindern als auch bei Menschen vorkommen, jedoch sind unsere Gene voll von evolutionär aufgeschnapptem „viralen Gut“. Der Gedanke, dass Rindfleisch per se Krebs auslösen könnte, passt möglicherweise auch gar nicht in ein bewundernswert komplexes Forscherhirn? Könnte das ganz einfach zu einfach sein? Und was nicht sein darf, darf einfach nicht sein? (Siehe Ernährung bei Krebs – Eiweiß)

Doch warum gerade Rindfleisch? Beim scharfen Anbraten von Fleisch entstehen heterozyklische Amine und Nitrosamine, welche krebserregend sind. Diese entstehen aber auch beim Anbraten von Geflügelfleisch und Fisch, welche aber das Krebsrisiko nicht überdurchschnittlich erhöhen (gemessen an den Durchschnittwerten unserer Länder, welche allerdings sehr hoch sind!). Außerdem sah der Forscher in Ländern, in welchen es zu einem vermehrten Rindfleischkonsum kam, einen Anstieg der Dickdarmkrebsfälle. Das brachte den Forscher dazu, nach dem Rindfleischfaktor zu suchen.

Das ist aber wiederum etwas zu eng gegriffen, denn epidemiologische Studien zeigen relativ klar, dass es rotes Fleisch, also Schweine- und Rindfleisch, und ganz besonders Fleischprodukte wie Wurst und Räucherwaren sind, die das Risiko für Krebs erhöhen, und das nicht nur für Darmkrebs!

Produktionskrisen

Zur Hausen beruhigt zunächst und meint, man müsse deshalb Rindfleisch nicht meiden. Man sollte aber den Verzehr von rohem Rindfleisch einschränken. Gleichzeitig gesteht er in einem Spiegel-Interview, ein Steak, auf welches er eingeladen sei, würde er nicht „zurückgehen lassen“ (2). Um die Gefahr einzudämmen, schlägt er vor, unschuldige Rinder gegen schuldige Viren zu impfen. Das verspricht Komplexität und bedeutet im Klartext so viel wie:

  1. Virensuche und Identifikation
  2. Identifikation der empfänglichen und befallenen Rinder
  3. Kausalbeweis bei der Entstehung des Darmkrebses
  4. Impfstoffentwicklung für Rinder
  5. Nationale Impfplanentwicklung für Rinder
  6. Durchimpfung der Rinder
  7. Warten, bis Virusverseuchung im Abklingen!

So lange sollten Sie also am besten mit dem Verzehr von Rindfleisch noch warten.

Und was dann?

Ist dann Rindfleisch gesünder? Wenn es die Proteine sind, welche Krebs auslösen, dann ändert sich durch die Impfung nichts. Wenn es tatsächlich die Viren sind und diese einmal Krebs ausgelöst haben, ist dann der „Zug abgefahren“? Das würde bedeuten, dass man mit Weglassen des Fleisches keinen Einfluss mehr auf einen bestehenden Krebs haben kann. Das ist mein Thema. Und die Anzeichen sagen: Es geht!

Haben Sie übrigens schon einmal von einem ganz typischen Ekel der Krebspatienten vor Fleisch gehört?

Diese Menschen wissen offenbar intuitiv, was gut tut und was nicht. Und sie lösen ganz intuitiv das Dilemma, dass man mit scharf angebratenem Rindfleisch Blasenkrebs, mit medium gebratenem Steak Magenkrebs und bei „Innen roh“ Darmkrebs bekommt.

Quellen:
1) Mittagsjournal Ö1, 2.10.2014
2) Spiegel Interview, 2012
Bildquelle: beef fillet with white asparagus and potatoes, www.istockphoto.com

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