Casein und Krebs

cheese

 

 

 

 

 

 

Das Milchprotein Casein hat sich in Experimenten als das „schlimmste“ aller Proteine hinsichtlich Krebsentstehung erwiesen. Was ist daran? Warum ist Casein anders und könnte das Meiden von Casein nützlich in der Behandlung von bereits entstandenem Krebs sein?

Top selling Casein

Casein ist nicht nur reichlich im Käse, in der Milch und in anderen Milchprodukten vorhanden. Machen Sie einen Versuch und geben Sie einmal „Casein“ oder „Kasein“ als Suchbegriff in Ihrem Internetbrowser ein. Es tauchen da kaum sachliche Informationsquellen auf. Das Gros ist Werbung für Sportnahrung bzw. Nahrungsergänzungsmittel.

Was ist Casein?

Casein macht die Hauptkomponenten im Milcheiweiß aus. Milch hat etwa 3,3 % Eiweiß, und 80 % davon sind Casein, also etwa 2,6 g pro 100 ml oder 6,5 g pro Glas (250 ml). Es ist jenes Protein, welches bei der Gerinnung von Milch in der gestockten Masse bleibt. Die anderen Proteine gehen in den wässrigen Überstand, in die Molke über und werden daher als „Molkeproteine“ oder „Whey Proteine“ bezeichnet. Es sind dies vor allem Albumin und Globuline. Casein bildet somit die Hauptmasse des Käseeiweißes und es ist auch jenes Milchprotein, welches die Milchallergie hervorruft.

Als stark bindende und kompakte Masse eignet sich Casein aber auch zur industriellen Herstellung von Farben, Kleber, Isoliermaterialien und dem Kunststoff Galalith, der zur Herstellung von Knöpfen und Schmuck verwendet wird.

Der Unterschied zwischen Casein und anderen Proteinen

Proteine bestehen aus langen Ketten von Aminosäuren, die sich dann zu Kügelchen, Häufchen, oder Würstchen zusammenlegen. Vergleicht man einmal die Milchproteine untereinander, so hat Casein vor allem sehr viel mehr von der Aminosäure Glutamin. Kommt Ihnen diese bekannt vor? Es ist jene Aminosäure, die Krebszellen in großen Mengen zum Wachstum benötigen. Wenn Sie Krebszellen in einem Brutschrank kultivieren wollen, müssen Sie reichlich Glutamin dazu geben, ansonsten sterben sie. Glutamin brauchen aber nicht nur Krebszellen, sondern auch alle „normalen“ Zellen, welche sich ganz schnell teilen, also z.B. Zellen des Immunsystems.

Mich hat aber nun interessiert, wie die postulierte Reihenfolge an „Schädlichkeit“ aus den Campbellschen Versuchen zustande kommen könnte. Die tumorfördernde Wirkung ist dem Autor zufolge in abfallender Reihenfolge so:

  1. Milcheiweiß (Casein)
  2. anderes tierisches Eiweiß (Fleisch)
  3. pflanzliches Eiweiß

Gibt es etwas, das diese Reihenfolge erklären könnte? Zunächst habe ich den Gehalt der einzelnen Aminosäuren von Milch-, Fleisch-, und pflanzlichen Produkten angesehen, bezogen auf 100 g.  Das war natürlich ein Hammer. Da hatte das pure Caseinpulver natürlich exorbitant viel Glutamin. Ich weiß nicht, wie viel ein Body Builder von einem solchen Pulver pro Tag zu sich nimmt. Wenn man in Foren liest, schaufeln die sogar 1 kg Topfen (Quark) pro Tag! Aber ich dachte, jedenfalls musst du den Aminosäuregehalt auf übliche Portionen beziehen. Das sah dann so aus:

 

Casein portion

Um die Orientierung zu erleichtern: Blau sind Milchprodukte, braun sind Fleischprodukte und grün sind pflanzliche Lebensmittel.

Man sieht, dass die Hauptmenge das Glutamin darstellt und dass eine Portion Caseinpulver (30 g) ganz grob einer Portion Rindfleisch entspricht. Man sieht aber auch sehr gut, dass ein Glas Milch nicht mehr Eiweiß enthält als Sojabohnen oder gekochte Linsen. Aber wo bleibt da der Unterschied? Ich meine den zwischen pflanzlichem und tierischem Eiweiß? Oder gar jenem zwischen Milcheiweiß und anderem tierischem Eiweiß?

Zurück an den Start

Zurückdenkend an die Experimente Campbells wurde klar: Die Versuche waren mit purem Eiweiß ausgeführt. Die Tiere erhielten jeweils ein pures Eiweiß das in seiner Menge entweder 5 oder 20% der Tageskalorien ausmachte. Also, musste ich das auch so umrechnen. Wenn ein Mensch 2.000 kcal pro Tag zu sich führt und ich 20 % der Energie aus dem Eiweiß beziehen will, dann sind das 400 kcal, die aus Eiweiß kommen sollen und das entspricht ziemlich genau 100 g Eiweiß. Nun ja, die Milch enthält gut 3 % Eiweiß, Fleisch etwa 27 % Eiweiß. Ich rechnete mir also aus, wie viel ich von dem entsprechenden Lebensmittel nehmen müsste, um genau 100 g Eiweiß zu erhalten. Und wie dabei die Aminosäureverteilung aussehen würde. Das Bild, welches ich dabei erhielt, war erstaunlich:

Casein 20 Prozent

 

 

Suchen wir hier nach einem Muster, welches die obige Reihenfolge „Milchprotein – tierisches Protein – pflanzliches Protein“ widerspiegeln könnte, entweder in ansteigender Reihenfolge, oder abfallend. Das ist egal. Wir finden hier einiges!

Glutamin

Natürlich gibt es da einmal eine große Menge an Glutamin beim Casein. Aber der Unterschied liegt hier zwischen Casein und Fleisch und nicht so sehr zwischen tierischem und pflanzlichem Eiweiß. Außerdem reguliert der Körper die zur Verfügung stehende Glutaminmenge selbst, da er sie selbst synthetisieren oder schnell bereit stellen kann. Ein bisschen Muskelabbau, und schon ist wieder reichlich Glutamin vorhanden! Die hohe Glutaminzufuhr im Casein ist zwar absolut nicht „krebsfeindlich“, aber sie erklärt bei Weitem nicht die gesamte Wirkung.

Leucin (und Isoleucin)

Leucin wird von Body Buildern als jene der Aminosäuren geschätzt, die am stärksten einen Eiweißaufbau stimulieren. Das ist für Body Builder gut, aber auch für das Krebswachstum. Wir haben eine abfallende Tendenz von Leucin bei den einzelnen Eiweißarten: Milcheiweiß – Fleisch – Pflanzliches Eiweiß.

Methionin

Es ist gut der Unterschied zwischen tierischem Eiweiß und pflanzlichem Eiweiß zu sehen, aber er erklärt nicht den Unterschied zwischen Milcheiweiß und Fleischeiweiß. Methionin ist eine der Aminosäuren, welche für die Säuregeneration tierischer Lebensmittel im Organismus verantwortlich ist.

Tyrosin

Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen Milchprodukten und Fleisch, aber keiner zwischen Fleisch und pflanzlichem Eiweiß. Gemeinsam mit den anderen Unterschieden könnte dies aber bei der außergewöhnlichen Rolle des Caseins mit ins Gewicht fallen. Tyrosin spielt eine große Rolle bei der Produktion von Neurotransmittern (DOPA, Dopamin) aber auch in der Signalübertragung innerhalb von Zellen.

Valin

Hier ist eine leicht abfallende Tendenz in der obigen Reihenfolge zu sehen. Eine „krebsfördernde“ oder besonders wachstumsfördernde Wirkung ist aber nicht bekannt.

Arginin

Hier gibt einen ganz deutlichen Anstieg entsprechend der obigen Kategorien. Nun, Arginin spielt eine wichtige Rolle im Abwehrsystem, und insbesondere im Alter sind erhöhte Argininmengen erforderlich. Eine krebsschützende Wirkung von Arginin und eine erhöhte Krebsanfälligkeit auf Grund von Argininmangel mit zunehmendem Alter sind damit plausibel. Daten liegen aber nicht vor.

Alanin

Hier fällt der Unterschied zwischen Milch- und Fleischprotein auf. Pflanzliches Eiweiß aber hat wiederum mehr Alanin als Milchprodukte. Alanin spielt eine Rolle als glukogene Aminosäure. Aus ihr kann also der Körper, je nach Bedarf, Glucose bilden. Als nicht essentielle Aminosäure kann sie auch vom Körper selbst synthetisiert werden und über den Zusammenhang mit Krebs liegen so gut wie keine Studien vor.

Asparagin (Asparaginsäure)

Auch hier gibt es eine ansteigende Reihenfolge. Asparagin fördert die Entgiftungsfunktion der Leber und hat positive Einflüsse auf Nervensystem und Stimmung. Wie sie aber mit einer krebspräventiven Wirkung zusammen hängen könnte, ist unbekannt und zudem ist sie ebenfalls eine nicht essentielle Aminosäure. Das bedeutet, dass der Einfluss über die Ernährung wesentlich schwächer ist.

Glycin

Auch hier gibt es einen Unterschied zwischen Milch- und anderen Proteinen, nicht aber zwischen Fleisch- und pflanzlichem Protein. Glycin hat Bedeutung bei der DNA-Synthese, beim Aufbau des Blutfarbfarbstoffes Hämoglobin und ist wichtiger Bestandteil des Kollagens. Ein Zusammenhang zur Tumorentstehung ist nicht beschrieben.

Prolin

Wir sehen auch hier einen deutlichen Unterschied zwischen Milch- und anderen Proteinen, nicht aber zwischen Fleisch- und pflanzlichem Protein, nur in umgekehrter Reihenfolge. Prolin ist eine Aminosäure, die vor allem in Proteinen nötig ist, welche eine gedrillte Struktur haben (z.B. gekräuselte Haare). Es ist als solches wichtig für das Bindegewebe, insbesondere Kollagen. Auf Grund dieser Eigenschaft wird dem Prolin auch eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer Erkrankung zugeschrieben, welche durch Verklumpung von Amyloidketten im Gehirn gekennzeichnet ist. Und auch hier – Krebszusammenhang unklar!

Ein zusätzlicher Faktor: Biologische Wertigkeit?

Schließlich mag auch noch die biologische Wertigkeit eine Rolle spielen. Tierisches Eiweiß hat eine wesentlich höhere Wertigkeit als pflanzliches, sodass zwar der Unterschied zwischen tierischem und pflanzlichem Eiweiß erklärt werden kann, nicht jedoch der zwischen dem Casein und anderen tierischen Eiweißarten. Eine hohe biologische Wertigkeit ist wichtig während des Wachstums und bei Heilungsvorgängen. Eine hohe biologische Wertigkeit, insbesondere bei zu hohem Eiweißkonsum insgesamt, bedeutet aber die Förderung von Tumorwachstum. In Summe könnte die höhere biologische Wertigkeit von tierischem Eiweiß zu der ausgeprägten „tumorpermissiven“ (das Tumorwachstum erlaubenden) Wirkung des Caseins beitragen.

biologische Wertigkeit

 

Fazit

Für die ausgeprägte tumorfördernde Wirkung des Caseins scheint es nicht den „einen“ Grund zu geben. Es lässt sich keine Aminosäure spezifisch ausmachen, die man sich als Schuldige gezielt vornehmen könnte. Vielmehr scheint das gesamte Aminosäurenprofil ein Tumorwachstum oder zunächst die Bildung „falscher“ Proteine zu begünstigen und wird weiter unterstützt durch die hohe biologische Wertigkeit, welche volle Proteinsynthese erlaubt. Gut belegt ist bisher, dass Milchprodukte die Entstehung von Prostata- und Eierstockkrebs fördern. Bisher gibt es aber keinerlei Studien welche Auskunft darüber geben könnten, ob Casein selbst die Tumorentstehung beim Menschen fördert (oder auch hemmt) und noch weniger Studien, wie es aussieht, wenn bereits eine Tumorerkrankung besteht.

Zu Milchprodukte und Krebsrisiko gibt es allerdings Daten!  – Darum geht’s im nächsten Blog.
Quellen:
1)

Bildquelle: various types of cheese, www.istockphoto.com
Graphiken: R. Aspalter

 

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25 Kommentare auf “Casein und Krebs

  • 10. Juli 2015 at 21:36
    Permalink

    Mich würde ein beitrag zur b12 hysterie interessieren

    antworten
  • 4. April 2016 at 15:26
    Permalink

    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Es ist ungemein hilfreich, den Campbellschen Aussagen genau auf den Grund zu gehen. Paracelsius hatte Recht: Die Dosis macht, dass ein Gift kein Gift ist.
    Ich verstehe die Zusammenhänge jetzt viel besser.

    antworten
  • 25. Mai 2016 at 17:31
    Permalink

    Sind 1 bis 2 Portionen Casein pro Woche unbedenklich oder in Hinsicht auf das Krebsrisiko schon zuviel ?

    antworten
    • 26. Mai 2016 at 09:22
      Permalink

      Hallo Olaf,

      wenn’s um Vorbeugung geht: Ich kenne bis dato keine Studie, die Casein isoliert im präventiven Setting untersuchen würde. Colin Champel, der Autor der China Study, fand jedoch heraus, dass man mit null tierischem Eiweis nochmals Vorteile gegenüber wenig tierischem Eiweiß erhält. Bestätigt wird das auch von den großen Präventionsstudien, in denen Veganer nochmals um einiges weniger Krebsfälle aufweisen als Vegetarier, welche ja Milchprodukte verzehren.
      Tipp: man kann Käse auch aus Nüssen herstellen! (einfach googlen!)

      wenn’s um bereits vorhandene Krebserkrankung geht:
      Hier würde ganz strikt eine rein pflanzliche Kost einhalten.

      Liebe Grüße
      Rosa Aspalter

      antworten
  • 3. Juni 2016 at 18:46
    Permalink

    „Zu Milchprodukte und Krebsrisiko gibt es allerdings Daten!“
    Mich würden die Literaturquellen sehr interessieren!

    antworten
  • 5. Juni 2016 at 20:44
    Permalink

    Hallo,

    ich wünschte, ich könnte gleich auch zu allem Blogbeiträge schreiben, was ich so recherchiere! Die Milchstory ist tatsächlich unter gegangen!

    Hier aber einmal einige Daten vorweg:
    Zweifelsfrei erwiesen ist der Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und Konsum von Milchprodukten. Je höher dieser, desto höher das Risiko für Prostatkrebs. Hier gibt es mehrere große Studien – u.a. aus Havard dazu.

    1: Chan JM, Stampfer MJ, Ma J, Gann PH, Gaziano JM, Giovannucci EL. Dairy
    products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians‘ Health Study. Am J
    Clin Nutr. 2001 Oct;74(4):549-54. PubMed PMID: 11566656.

    2: Chan JM, Giovannucci EL. Dairy products, calcium, and vitamin D and risk of
    prostate cancer. Epidemiol Rev. 2001;23(1):87-92. Review. PubMed PMID: 11588859.

    Im Okt. / November erschienen zwei große schwedische Studien. Die erste stellte einmal fest, dass das Risiko für Osteoporose, Knochenfrakturen und die durchschnittliche Lebensdauer mit zunehmenden Milchkonsum negativ beeinflusst werden! Die zweite Studie untersuchte etwa 20.000 lactoseintolerante Patienten, welche kaum Milchprodukte verzehren. Hier war das Krebsrisiko – je nach Krebsart – um bis zu 40% geringer! Und das nur bei Weglassen EINER Gruppe tierischen Eiweißes!

    Hier ein Link zu einem Spiegel-Artikel über die erstere Studie.
    http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/ernaehrung-milch-senkt-nicht-das-risiko-von-knochenbruechen-a-999466.html
    Und hier die eigentliche Studie:
    http://www.bmj.com/content/349/bmj.g6015
    Die zweite Studie:
    British Journal of Cancer (2015) 112, 149–152. doi:10.1038/bjc.2014.544 http://www.bjcancer.comPublished online 14 October 2014
    Lactose intolerance and risk of lung, breast and ovarian cancers: aetiological clues from a population-based study in Sweden
    J Ji1, J Sundquist1,2 and K Sundquist1,2

    Hilft das fürs Erste?
    Liebe Grüße
    Rosa Aspalter

    antworten
  • 9. August 2016 at 07:36
    Permalink

    Der ganze Bericht liest sich irgendwie an den Haaren herbeigezogen und entspricht der Milchhysterie, die gegenwärtig die Runde macht. Zweifelsohne läuft bei der Milchherstellung einiges faul, wenn die Lebenserwartung von Tieren in der Intensivwirtschaft von 13 auf 3 – 4 Jahre gesunken ist. Das betrifft besonders das Billigsegment. Doch hier wird kein Beweis dafür erbracht, dass Kaseinprodukte schädlich seien. Frag mal nach bei Paracelsus: Alles ist Gift und Gift ist in Allem. Es hängt an der Dosis. So heilsam ein Gläschen wein sein mag, so verheerdend ist dessen Wirkung, wenn man täglich zwei Doppler trinkt. Bei Wein und Käse allerdings handelt es sich um dynamische Produkte, die die gesamte Entstehungsgeschichte, bis zum Verbrauch gespeichert haben. Natürlich kann Krebs entstehen, wenn man zuviel Kasein zu sich nimmt. Genauso wie bei zuviel Zucker, zuviel von gewissen Elementen, zuviel von Allem eben. Die Krux einer hedonistisch geprägten Konsumkultur, deren Abbild im Artikel deutlich nachlesbar erscheint.

    antworten
  • 9. August 2016 at 09:23
    Permalink

    Hallo Gerhard,
    Casein hat sich in den Aflataxinstudien als jenes Protein herausgestellt, welches am deutlichsten das Krebswachstum förderte. Darauf nimmt der Artikel Bezug und versucht zu ergründen, warum dies der Fall war.
    Da Du ein wenig „evolutionstheoretisch“ argumentierst: Käse ist zwar kein „modernes“ Lebensmittel, es ist tatsächlich schon einige tausend Jahre alt. Aber im Vergleich zur Menschheitsgeschichte doch relativ neu. Er gehört zu jenen Lebensmitteln, welche mit der Sesshaftwerdung und der Viehzucht entstanden sind.
    LG
    Rosa Aspalter

    antworten
  • 9. August 2016 at 12:17
    Permalink

    Genau. Wir kommen auf den Punkt wenn wir zwischen gesellschaftlichen Einflüssen und Humanbiologie zwischen Kulinarik und Diät unterscheiden. Dass Milch und Käse per se krank machen, erscheint fragwürdig. Immerhin zählen gerade Milch und Käse zu jenen Lebensmitteln, die wesentlich zur erfolgreichen Besiedelung der sonnenärmeren Regionen beigetragen haben. Allerdings gibt es hinsichtlich der denaturalisierten Form, in der wir heute Milch und Milchprodukte konsumieren, keinen historischen Vergleich. Milchprodukte, im übrigen auch Wein, haben ein kleines Geschichtsbuch gespeichert, das jeden Akzent, rund um den Herstellungsprozess widerspiegelt. Was hat die Kuh gefressen, wie hat man sie behandelt, was ist mit der Milch passiert (homogenisiert?, pasteurisiert?),…. ein Mikrokosmos. Es macht einen Unterschied, wie die Kuh lebt, ob sie Gras und Heu frisst, oder eben Sojagranulat. Dies empirisch darzustellen, ist schwer aber durchaus schmeckbar. Hinsichtlich Diäternährnung erscheint es mehr als opportun, seinen Speiseplan um mehr Flora zu bereichern. Sie folgt uns ohnehin auf Schritt und Tritt, wenn wir sie nur lassen.

    antworten
  • 11. Januar 2017 at 18:20
    Permalink

    Sind denn Rohmilch Produkte besser ?
    Oder ist ein Magerquark der nicht homogenisiert wurde gesünder ? Oder Käse aus Rohmilch ?
    Was halten sie davon

    antworten
    • 11. Januar 2017 at 22:53
      Permalink

      Hallo!

      Nun, Rohmilchprodukte sind nicht pasteurisiert und nicht homogenisiert. Dafür wird aber hier wiederum das Argument das Risiko von Krankheitserregern herangezogen, die in roher Milch vorhanden sein können. Historisch ist da insbesonder TBC von Bedeutung. Was aber den Eiweißgehalt von Roh- oder behandelter Milch angeht, oder den Kohlenhydrat- und Fettgehalt, ist hier kein wesentlicher Unterschied!

      Beste Grüße
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
  • 1. Juli 2017 at 21:00
    Permalink

    Hallo,

    erstmal danke für diesen Artikel. Ich möchte gern anfangen vegan zu leben, betreibe jedoch – freizeitmäßig – Bodybuilding und nehme daher bisher sehr viel pures Casein zu mir (Caseinprotein mit Wasser) und dachte dies wäre gesund. Ich bin nun ehrlich gesagt besonders beunruhigt, da ich nicht mehr weiss, wie ich den für meine sportlichen Ziele benötigten hohen Eiweißbedarf decken kann, denn mit einer veganen Ernährung bekommt man ja zwangsläufig schon weniger Protein.

    Ich wäre Ihren sehr dankbar, wenn Sie mir einen Tipp geben könnten, welche Eiweiße einzeln oder kombiniert gesund – oder zumindest nicht krebsfördernd – sind, auch wenn ich sie in höheren Dosen zu mir nehme, denn ich kann mir nicht vorstellen, meinen Eiweißbedarf – als Kraftsportler/Bodybuilder – mit Linsen, Bohnen und Tofu allein zu decken. Von der Einfachheit einer Proteinshakezubereitung mal ganz abgesehen.

    Ich weiß, dass es hier Leute gibt, die ihren Rat wahrscheinlich dringender benötigen als ich, jedoch würde ich mich wirklich sehr, sehr freuen, wenn Sie mir antworten würden, sobald Sie mal Zeit haben.

    Vielen, vielen Dank und nette Grüße

    Benedikt Rasehorn

    antworten
    • 26. Juli 2017 at 09:31
      Permalink

      Hallo Benedikt,

      nach anderthalb Jahren veganer Ernährung habe ich „aufgegeben“ und auf vegetarisch umgestellt, weil alleinerziehend und voll berufstätig konnte ich nicht ausreichend Zeit für eine ausgewogene vegane Ernährung aufbringen. Dabei denke ich, dass gerade die intensive Zubereitung und Beschäftigung mit der Nahrung wieder etwas ist, das wir lernen müssen. Ich wohl eher später… Hier ein Buchtipp von einem Kanadier, Brendan Brazier, der mehrfach den Iron Man Triathlon gewonnen hat und strikt vegan lebt. Er ist ein Power- und Ausdauerpaket auf pflanzlicher Basis. Er brilliert weniger mit Masse als mit Leistung.

      Vegan in Topform:
      Der vegane Ernährungsratgeber für Höchstleistungen in Sport und Alltag – Die Thrive-Diät des berühmten kanadischen Triathleten

      Und hier noch ein spezialisiertes Buch von ihm, vielleicht noch interessanter für dich – jedoch schockt mit das Frontcover mit Brazier als Muskel- und Sehnenpaket ein wenig:

      Vegan in Topform – Das Fitnessbuch: Das vegane Trainingsprogramm für maximale Leistung und Gesundheit.

      Mein Tipp: Achte darauf, dass du ganz frisch (möglichst aus dem eigenen Garten) und ausgewogen isst, denn ich bin mit Nudeln/Reis plus X nach über einem Jahr im Mangelzustand gewesen. Auch lässt sich vegane Ernährung leichter allein durchhalten als mit Kindern, die ständig monieren: „Schon wieder Möhren mit Zucchini.“ Doch wer wirklich will, der kann…. da will ich mich nicht lahm rausreden…

      Alles Liebe!
      Carola

      antworten
  • 27. September 2017 at 11:42
    Permalink

    Casein ist für den Muskelaufbau sehr wichtig, da im Magen das Eiweiß über einen längeren Zeitraum abgegeben wird. Und Muskeln werden bekanntlich in der Ruhephase aufgebaut. Da macht es keinen Sinn, alle sich kontinuierlich pflanzliche/tierische Proteine reinzukippen, die in der Regel eine Wirkung von ca. 30 Minuten haben. Jemand der professionell trainieren will, kann daher nicht auf Casein verzichten.

    Viele Lebensmittel senken das Krebsrisiko, selbst der Lebensstil ist von Relevanz. Von daher würde ich nicht sagen, dass man auf Casein verzichten soll, da es allgemein für die Bildung von Muskelgewebe von Bedeutung ist.

    Zwischendurch ein Käsebrot, ein Glas Milch oder 250g Speisequark sollten einen gesunden Menschen nicht schaden – im Gegenteil, denn der Körper nimmt dadurch viele gesunde Stoffe auf.

    Studien/Prognosen ziehen diese Aspekte meistens nicht in Erwähnung. Viele Leute haben dadurch die Angst, durch das Trinken von Milch gleich Krebs zu kriegen (nur ein Beispiel). Das ist natürlich völliger Schwachsinn.

    Daraus lernen wir: sofern wir alles in Maßen konsumieren, wird uns das nicht schaden. So wird uns das von früher Kindheit beigebracht und so sollte man seinen Bedarf auch einteilen. Trotzdem ist es wichtig, dass solche Feststellungen gemacht werden und dafür bedanke ich mich ganz herzlich, Frau Dr. Rosa Aspalter.

    antworten
    • 27. September 2017 at 19:56
      Permalink

      Danke, Max!
      Ich bin nicht der Ansicht, dass Casein benötigt wird. Die reichlichen Proteine in Hülsenfrüchten in ihrer enorm ballaststoffreichen Matrix werden ebenfalls nur sehr langsam freigesetzt, so wie die Kohlendraten daraus!
      Liebe Grüße
      Rosa Aspalter

      antworten
      • 8. April 2018 at 13:45
        Permalink

        Hallo Frau Aspalter,

        neben vielen Dingen, die Sie mir aus der Seele sprechen, gibt es auch Einiges, was ich als „Mischköstler“ und Sport- und Ernährungsmediziner und aktiver Sportler (auch Marathon, Ultra-Trail-Running, Ironman …) NICHT unterschreiben würde: mir fehlen bei veganer Ernährung (neben Vit. B12 !) z.B. Proteine mit HOHER biologischer Wertigkeit und guter Verdaulichkeit – dazu gehören sicher KEINE Hülsenfrüchte!
        Gruß Andreas Martin

        antworten
        • 10. April 2018 at 16:19
          Permalink

          Hallo, Herr Martin,
          warum sollten Hülsenfrüchte nicht leicht verdaulich sein? Rote Linsen z.B. sind extrem bekömmlich.
          Und mit langsamer Gewöhnung machen auch Bohnen null Probleme (vorausgesetzt natürlich, dass man keine Erkrankung hat, die deren Verdauung beeinträchtigt).
          Die Kriterien „Vollwertigkeit“ und „leichte Verdaulichkeit“ sollte man auch hinterfragen. Das ist auch nicht immer das Optimum, gerade bei unserer eiweißreichen Kost hat sich die „Vollwertigkeit“ in eine „Überdosis“ umgekehrt.
          Bei Vitamin B12 stimme ich zu. Da ist tatsächlich aufzupassen bei Veganern. Aber dazu gibt es auch bereits zwei Artikeln hier. (Einfach Suche verwenden).

          Liebe Grüße
          Rosa Aspalter

          antworten
          • 11. April 2018 at 06:34
            Permalink

            Vielen Dank für Ihre prompte Antwort, Frau Aspalter!
            Dass Sie fragen, warum Hülsenfrüchte NICHT leicht verdaulich sein sollen wundert mich etwas: dazu muss man kein Wissenschaftler sein – das ist die praktische Erfahrung sehr vieler Menschen und gerade Sportler können die allseits bekannte + wahrlich NICHT seltene Gasentwicklung gar nicht gebrauchen!
            Für Sportler, die sich streng vegetarisch/ vegan ernähren wollen, ist es zumindest ein Trost, dass es ein paar besser verträgliche Hülsenfrüchte gibt und nach einer Gewöhnungszeit auch Hoffnung für andere besteht.
            Vegane Leistungssportler: ja, es ist MÖGLICH!
            ABER: Die WERTIGKEIT der Proteine in Hülsenfrüchten ist unbestritten kläglich und wer als veganer Sportler auf ca 1,5 g/kg Körpergewicht (hochwertiges) Eiweiß pro Tag kommen will (gilt übrigens nicht nur für Kraft-, sondern auch Ausdauersportler!), muss sich schon SEHR bewusst + ziemlich aufwändig ernähren. Insbesondere, wenn man die kritischen Aspekte von Soja mit berücksichtigt.
            Auf die von Ihnen angesprochene „Überdosis“ an Eiweiß kommen aus meiner Sicht + Erfahrung höchstens „Viel-Fleisch-Esser“ – und Menschen, die sich insgesamt deutlich hyperkalorisch, also ohnehin falsch, ernähren!

            Aber: cha­cun à son goût 😉

  • 31. Mai 2018 at 04:59
    Permalink

    Hallo Frau Aspalter,

    Wie sehr bin ich fuer das Internet dankbar. Habe Ihre seite gefunden als ich Casein recherchiert habe, und bin von Ihrem Leben inspiriert. Ich spiele seit ein paar Monaten mit dem Gedanken Veganer zu werden. Vegetarier war ich viele Jahre habe mich aber waehrend meiner Schwangerschaft verueckt machen lassen, und aus Sorge so einmal die Woche Gefluegel gegessen. Die Sache ist die, ich stille meine 8 monatige Tochter noch und hoffe auch noch 8 weitere, wenn sie es denn mag. Auf vielen anderen Seiten habe ich Horrorgeschichten gelesen von wegen das Veganer ihre Babies nicht genug mit Vitaminen versorgen koennen und das Mutter und Baby B12 brauchen etc., und deshalb Milchprodukte empfohlen werden wenn man schon Vegetarier ist. Beziehungsweise wird gesagt das man waehrend des Stillens seine Diaet nich gross aendern sollte. Meine Tochter wird von mir kein Fleisch bekommen und ich wuerde sie auch gern Vegan weiter ernaehren (hat bis jetzt nur Obst, Gemuese und Getreide-Breie als Beikost bekommen). Kann ich waehrend des Stillens schon umsteigen oder sollte ich noch warten? Was muesste ich beachten? Ich danke fuer jegliche Empfehlungen.
    Liebe Gruesse, Jenny

    antworten
    • 14. Juni 2018 at 18:38
      Permalink

      Liebe Jenny,

      vegan ist, wie mittlerweile auch Ernährungsfachgesellschaften zugeben, für jedes Lebensalter geeignet. Am Besten holen Sie sich die Materialen der veganen Gesellschaften, welche alle zu diesem Thema erstellt wurden.

      Liebe Grüße
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten
  • 13. Juni 2018 at 16:45
    Permalink

    Nestlé Health Services empfehlen ihr Resource Protein vor allem bei „konsumierenden“ Krankheiten, allen voran Krebs. Man muss schon ziemlich tief graben um herauszufinden, dass das Resource Protein, hauptsächlich Milcheiweiss, zu 90% aus Casein besteht. Eine Bekannte mit einem metastasierenden Weichteil-Sarkom, hat nun als Begleiternährung während einer starken Immun- und Chemotherapie besagtes Nestlé Protein ärztlich empfohlen bekommen. Interessant, oder?
    Ich habe ihr Lupinenmehl vorgeschlagen…

    antworten
    • 14. Juni 2018 at 18:40
      Permalink

      Tja, die arbeiten mit allen Tricks und auch teilweise auch Schummeleien!
      Ihr Vorschlag ist eine gute Alternative!
      Aber einfach abwechseln! Es gibt auch Soja-, Erbsenprotein und anderes mehr!

      Liebe Grüße
      Dr. Rosa Aspalter

      antworten

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