Gewichtszunahme bei veganer Ernährung

Buffet

 

 

 

 

 

 

Als „Pflanzenfresser“, oder sagen wir es charmanter aber nicht unbedingt besser: als Vegetarier oder Veganer kann man nicht an Gewicht zunehmen, so heißt es. Das ist ungefähr so wahr, wie: „Mit guten Fetten oder guten Kohlenhydraten kann man nicht zunehmen!“ Stimmt leider so nicht. Selbst erlebt. Ich habe mich in meinem zweiwöchigen Urlaubsaufenthalt vorwiegend vegan ernährt. Und doch: 1,8 kg plus!

Die Nummer 1 fürs Gewicht

Wie gibt’s das? Um es ganz ehrlich zu sagen, ich weiß es auch nicht! Ich hatte Halbpension. Ernährte mich tagsüber von Obst und eventuell einem Hefegebäck. Wenn ich einen Tagesausflug machte, gab es ein Mittagessen, aber dafür fiel das Frühstück ins Wasser, sodass ich durchwegs behaupten kann, nur zwei Mahlzeiten pro Tag gehabt zu haben. Nun, aber jetzt kommt’s: Das Abendessen waren halt nicht zwei Schwarzbrote mit Humus und Gurken, Kresse und Tomaten, sondern zwei Teller mit Salaten, Gemüse, Kartoffeln, Reis, natürlich Brot dazu und ganz schön viel Oliven. Nun, ich glaube nicht, dass es ein Fehler war, so zuzuschlagen. Ich habe einiges kennen und schätzen gelernt. Aber es ist einfach ein Trugschluss, zu glauben, man / frau könne damit nicht zunehmen! Unser Gewicht ist und bleibt das Resultat unserer Kalorienbilanz. Damit bin ich beim zweiten Geständnis: dem Kalorienverbrauch. Der war gewiss weniger als sonst in meinem bewegten Alltag. Es gab da abenteuerliche Wanderungen, bis zu 3 Stunden. Aber doch – ich wurde viel mit dem Schiff, Boot und Bus herum chauffiert und bin jeden zweiten Tag einfach am Strand oder am Pool gelegen. So war‘s. Bitte sehr.

Warum sind Vegis schlanker?

Das Ganze ist mir aber Anlass genug, der Frage nachzugehen, wie das denn nun wirklich funktioniert. Warum Vegetarier und Veganer um einige Kilos weniger mit sich herum tragen und warum es doch bedeutend schwerer ist, als solcher Kilos zuzulegen.

Da gibt es einmal die ganz einfachen Erklärungen:

  1. Veganer/ Vegetarier nehmen in Summe weniger Kalorien auf, da sie schneller und länger satt sind.
  2. Veganer / Vegetarier essen im Schnitt viel weniger Fett.
  3. Veganer / Vegetarier essen im Schnitt viel mehr Ballaststoffe, was die Verdauung fördert und den Blutzucker- und Insulinspiegel viel niedriger hält.
  4. Veganer / Vegetarier essen viel mehr Pflanzeninhaltsstoffe, denen eine gewichtsreduzierende Wirkung nachgesagt wird. (Haben Sie gleichartiges schon einmal von einem tierischen Produkt gehört?)

Thermogener Effekt

Es gibt aber da noch eine weitere Theorie: Pflanzliche Kost hat einen höheren „thermogenen Effekt“ als tierische. Einfach ausgedrückt: Pflanzliche Lebensmittel verbrauchen bei ihrer Verstoffwechselung mehr Energie als tierische Lebensmittel. Es gibt eine Studie, die den thermogenen Effekt vegetarischer Mahlzeiten mit „normalen“ Mahlzeiten vergleicht. In dieser Studie hatten die Vegetarier schon eine etwas höhere basale Stoffwechselrate. Nicht absolut, denn sie waren im Schnitt um 7 kg leichter als die Nicht-Vegetarier. Aber pro Kilo Körpergewicht hatten sie eine etwas höhere Stoffwechselrate. Der thermogene Effekt der Mahlzeiten war bei den Vegetariern in absoluten Zahlen ausgedrückt geringer, aber, bezieht man dies auf die zugeführten Kalorien, höher als bei Nicht-Vegetariern. Die Autoren dieser Studie übersahen diesen Umstand komplett! Würde dann der „thermogene“ Kalorienbedarf auch noch auf das Körpergewicht bezogen, wäre der Unterschied nochmals deutlicher! Und das, obwohl die Vegetarier offenbar einiges an Milchprodukten verzehrten. Dies kann aus dem doch recht hohen Eiweißkonsum von ca. 100 g pro Tag (gegenüber 150 g für die Nicht-Vegetarier) und dem noch immer sehr niedrigen Ballaststoffkonsum von 11 g (gegenüber 6 g für Nicht-Vegetarier) geschlossen werden. Ein für Veganer typischer Eiweißkonsum wäre bei 50 g pro Tag und die pflanzlichen Bestandteile entsprechend mehr.

Bewegungsfreudig

T.C. Campbell stellte in seinen Rattenversuchen auch fest, dass Raten mit rein pflanzlicher Kost doppelt so viel am Hamsterrad liefen – und das freiwillig! Er zieht den Schluss, dass pflanzliche Kost eher aktiviert als zu Passivität führt. Na gut, darauf hatte ich in meinem Urlaub nicht gerade starke Hinweise, aber da bestehen ja auch nicht unbedingt „normale“ Untersuchungsbedingungen!

Es gibt noch eine weitere Studie mit vegetarischen Mahlzeiten, die zeigt, dass der theromogene Effekt bei „normaler“ Kalorienanzahl hoch ist, nicht mehr aber, wenn „überfüttert“ wird. Also: Was zu viel des Guten ist, bleibt einfach an den Hüften liegen! Gibt es eine bessere Erklärung für mein Urlaubsphänomen?

Zuviel des Guten ist eben auch zuviel!

Quellen:
Zur Studie über thermogenen Effekt: Am J Clin Nutr-1988-Poehlman-793-8
Zur Studie T.C. Campbells: Toxicol. Sci.-1999-Campbell-87-94
Bildquelle: Buffet, Weberknecht

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2 Kommentare auf “Gewichtszunahme bei veganer Ernährung

  • 29. April 2016 at 11:31
    Permalink

    Liebe Rosa!

    Also von 2 Wochen veganer Ernährung Rückschlüsse zu ziehen ist sicher etwas verfrüht :).
    Und man kann sich vegan genauso ungesund ernähren, wie man sich sicher auch mit Fleisch gesund ernähren könnte.

    Du schreibst ja selber: Zuviel ist auch vegan zu viel 🙂

    Alles Liebe!

    Martin

    antworten
  • 1. Mai 2016 at 13:51
    Permalink

    Hallo Martin,

    ja, das ist schon recht! 😉 Und 2 Wo sind natürlich extrem kurz! Es waren aber nicht die ersten Wochen meiner veganen Zeit, sondern nur die ersten zwei Urlaubswochen!
    Und gerade zu Beginn achtet man natürlich auf alle möglichen Zeichen – möglicherweise überinterpretiert man da auch.

    Aber es war eine interessante Erfahrung. Und es ist mir seither auch nicht mehr passiert! Mittlerweile hat sich alles gut eingespielt. Ich bin jetzt so 6-7 kg unter diesem Gewicht, welches ich da am Ende dieses ersten veganen Urlaubes hatte und das gefällt mir. Fühle mich mit meinem Gewicht ausgesprochen wohl!

    Liebe Grüße
    Rosa

    antworten

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