Metabolic Balance – ein Ernährungskonzept?

Rippchen

 

 

 

 

 

 

Metabolic Balance nimmt für sich in Anspruch, wissenschaftlich belegt zu sein. Der Gründer beschreibt sein eigenes Konzept so, dass auf Basis von Laborbefunden individuell Nahrungsmittel ausgewählt werden und auf Basis dieser Lebensmittel ein individueller Essensplan erstellt wird. Was hat es damit auf sich?

Versprechen Nr. 1: Individuelle Lebensmittel auf Basis von Labortests

MB-Berater versprechen, auf Basis einer genauen Laboruntersuchung einen individuellen Plan zu erstellen. Die Laborparameter, welche von MB angefordert werden sind im Wesentlichen der Blutzucker, Leber- Nieren- Blutfettwerte und Bauchspeicheldrüsenenzyme. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. A: die Laborwerte sind normal. Wie kann ich nun dem einen Kunden Kartoffeln empfehlen, dem anderen Kraut? Ich kenne als Ärztin und Ernährungsmedizinerin keine Ernährungsempfehlung, welche man speziell bei normalen Laborwerten geben könnte außer eben einer ABWECHSLUNGSREICHEN, AUSGEWOGENEN nährstoff- und ballastsoffreichen Mischkost. Möglichkeit B: Die Laborwerte liegen außerhalb der Normwerte. Dann liegt möglicherweise eine behandlungspflichtige Erkrankung vor. Hier braucht es also keinen MB-Ernährungsplan, sondern einen Arzt. Es ist also unverantwortlich, so zu tun, als ob man im Bereich der Normalwerte etwas Spezielles empfehlen könnte oder sogar (bei Vorliegen pathologischer Befunde) mit Ernährungsempfehlungen möglicherweise von einem Arztbesuch abzulenken.

Es fehlt übrigens auch jede Information darüber, nach welchen Kriterien die angeblich individuellen Nahrungsmittel ausgewählt werden. Da sich Metabolic Balance diesbezüglich in Schweigen hüllt, kann nichts über die wissenschaftliche Basis dieser Selektion gesagt werden.

Versprechen Nr. 2: Wer macht die Labortests?

MB ist eine Privatsache und es trifft niemanden, der sich für dieses Konzept nicht interessiert. So sollte man meinen. Immer wieder kommen aber Patienten in meine Praxis, welche die MB-Laboranforderung mitbringen und mich auffordern, die genannten Laboruntersuchungen auf Krankenkassenkosten durchzuführen. Sie werden offenbar von den MB-Beratern zum Hausarzt geschickt. Ich meine, dass bei diesen Beratungspreisen zwischen 300 und 600 Euros (siehe pdf MetabolicBalanceWidhalm) die dazu gehörigen Befunde inkludiert sein könnten und keinesfalls andere zur Beizahlung verpflichtet werden können.

Versprechen Nr. 3: Individueller Essensplan

MB verspricht, auf Basis der Laborbefunde einen ganz genauen und individuellen Ernährungsplan zu erstellen. Es dauerte sehr lange, bis ich einmal eine dieser so „speziellen“ und „ganz individuellen“ Ernährungsempfehlungen sehen konnte! Die Patientin hatte ein kleines Zettelchen mit. Etwa 5cm x 5cm. Darauf stand in klitzekleiner Schrift:

Morgens. 120 g Gemüse, 70g Käse
Mittags: 180g Gemüse, 120g Fisch.
Und noch eine dritte Zeile für den Abend. Darunter standen ein paar Gemüsesorten, ein paar Käsesorten, ein paar Fleisch- und Fischsorten.

Fassungslos fragte ich die Patientin: „Und das ist wirklich alles, was Sie bekommen haben?“ Sie bejahte.

So sieht also ein „individueller Ernährungsplan“ nach MB aus?

Inzwischen habe ich doch auch so etwas gesehen, das man tatsächlich „detaillierten“ Ernährungsplan nennen konnte. Es handelte sich hier um proteinreiche, gemüsereiche und eher fettarme Ernährungspläne. Das Beratungsniveau dürfte ein weites Spektrum von nichtssagenden Speiseplänen bis zu einer qualifizierten und gesundheitsgerechten Beratung reichen, ganz unabhängig von dem proklamierten Konzept. Und wer sich gesundheitsbewusst ernährt, nimmt erwartungsgemäß ab. Auffallend häufig werden jedoch zu Metabolic Balance weitere Konzepte angeboten, etwa Nahrungsergängzung, TCM, Säure-Basenregulierung u.a.m.

Versprechen Nr. 4: Wissenschaftlich evaluiert

Als wissenschaftliche Grundlage und Bestätigung für den Beweis der Wirksamkeit wird von Metabolic Balance immer die „Freiburger Studie“ genannt (MetabolicBalance Meffert). Darin wurden 524 Probanden während der Teilnahme am Metabolic Balance Programm untersucht. Es zeigt sich eine relativ hohe Abbrecherquote, welche jedoch in Adipositasstudien nicht ungewöhnlich sind. Über 60% der Teilnehmer, welche die Studie bis zu Ende begleiteten, konnten Ihr Gewicht um mehr als 5% reduzieren. Unklar ist jedoch, was die Gewichtsabnahme bewirkte. Die Autoren geben an, dass die Gewichtsabnahme stark mit dem Einhalten der Ernährungsregeln korrelierte, also die Gewichtsabnahme umso besser war, je besser die „8 Grundregeln“ eingehalten wurden. Dazu gehört z.B., zumindest fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten einzuhalten. Über den Effekt der „Ernährungspläne“ und der „verordneten Speisen“ äußern sich die Autoren nur in einem eher lapidaren Hinweis darauf, dass Studien gezeigt hätten, dass es nicht so sehr auf die Nährstoffverteilung ankommt, sondern auf das Dranbleiben am Programm. Informationen darüber, wie weit die vorgegebenen „Ernährungspläne“ eingehalten wurden und was die Probanden tatsächlich gegessen haben, wären jedenfalls hilfreich, um zu wissen, was letztendlich zur Gewichtsreduktion geführt hat. Schließlich sind ja die „individuellen Essenspläne“ auch jene Leistung, mit welcher der doch hohe Preis argumentiert wird.

Dass den 8 Grundregeln vielfach die wissenschaftliche Basis fehlt, stellt Prof. Kurt Widhalm ausführlich dar.

Quellen:
MetabolicBalanceWidhalm
MetabolicBalance Meffert

Bildquelle: Rippenknochen, R.Rayan

Eine weitere kritische Zusammenfassung finden Sie hier.

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